298
Zur Mittelmecrfrage
Hektar eines Bodens, der seine 2000 Mark für den Hektar wert ist, nicht vorkommen können. Es scheint sich übrigens jetzt eine solche Klasse bilden zn wollen. Der Bankrott vieler Adlichen und die Flucht gepeinigter Steuerzahler machen beständig Land frei, uud die intelligenter« und rührigern unter den am besten ausgestatteten Staatsbauern machen sich die Gelegenheit zu nutze. Ob dieses Emporsteigen einzelner schon einen Umfang angenommen hat, der zu Hoffnungen auf eine bessere Zukunft berechtigt, darüber haben wir vorläufig uvch nirgends, auch nicht bei Milukow, zuverlässigen Aufschluß gefunden.
(Schluß folgt)
Zur Mittelmeersrage
Von Georg ZVislicenus
er Artikel über Marokko in Heft 41 der Grenzboten veranlaßt mich, die darin behandelten Fragen von einer andern Seite zu beleuchte».
Wenn Vismarck gesagt hat, wir seien im Mittelmeer nicht interessiert, so muß man das doch wohl so verstehn, daß wir die Mächte, die ans irgend welchem Übermut unsre Mittelmeerschiffahrt schädigen wollten, nicht im Mittelmeer aufzusuchen brauchten, um uns solche An- rempeluugen zu verbitte». Weil wir keinen Grundbesitz am Mittelmcergestade zu halten und zu verteidigen haben, stehn wir allerdings den Machtfragen im Mittelmeer ferner und gleich giltiger gegenüber, als jede andre europäische Großmacht, aber deshalb darf es uns nicht gleichgültig sein, wer Herr im Mittelmeer ist; namentlich, wenn es eine Macht ist, die uns oder unsern beiden mittelländischen Bundesgenossen unfreundlich gesinnt wäre.
Erwägt man die zukünftig möglichen Machtverschiebungen, so muß man ins Auge fassen, ob der jetzige seepolitische Zustand überhaupt gesund und für uns und unsre Bundesgenossen besonders vorteilhaft ist. Besteht jetzt etwa eiu seepolitisches Gleichgewicht im Mittelmeer? Dürfte wohl England die Hand auf Ägypten halten, wenn es sich nicht seines Übergewichts dort ganz genau bewußt wäre? Man darf nicht vergessen, daß Ägypten schon mit französischem Blute getränkt worden war, ehe die Engländer überhaupt etwas im Mittelmeer zu suchen hatten. Die Franzosen empfinden es als die verhängnisvollste Niederlage seit Waterlov und Sedcm, daß sie Ägypten haben im Stich lassen müssen, und daß sie den Engländern keinen Widerstand leisten konnten. Die moralische Niederlage von Faschoda ist ein Glied derselben Kette: Frankreich fühlt sich zu schwach im Mittelmeer. Damals, im Jahre 1882, als England Ägypten besetzte und einige Schwierigkeiten im Sudan hatte, waren die Franzosen in Tunis beschäftigt, das ihnen von England ein Jahr vorher als Beruhigungshappen (Kompensationsobjekt nennen es die Diplomaten)