Das Eisenbahnnetz Indiens vom militärischen Standpunkt aus 243
zuspanneu und sich nicht durch die Hoffnung auf ein Almosen fremder Thatkraft entsittlichen zu lassen. Es läßt sich den Deutschösterreichern nur empfehlen, daß sie nach Bismarcks Rat die eigne Geschichte lernen und aus ihr ersehen, was sie thun uud was sie lasseu solleu. Mau muß fürchten, daß sie auch bei einer neuen Wendung der österreichischen Politik, wie sie schon angebahnt ist und früher oder später fortgesetzt werden muß, wieder zu kurz kommen werden, weil sie sich weiter in Spaltungen und Raditcilismeu verrennen werden, die noch nirgends und niemals zur nationalen Macht geführt haben.
Das Eisenbahnnetz Indiens vom militärischen Standpunkt aus
> eber die sich im stillen allmählich vollziehende Verminderung des Auslands der britischen und der rassischen Grenzen in Mittelasien gehn ab und zu von dort Nachrichten ein, die zu deuten geben. Einerseits melden sie die Verstärkung der Garnisonen der dem ! wichtigen Herat benachbarten russischen Grenzplätze Trauskaspiens, andrerseits teilen sie aus Indien mit, daß die Eingebvrnenregimeuter mit neuen Modellen des Lee-Enfieldgewehrs bewaffnet werden, und daß moderne Schnellfeuer-Feld- und Gebirgsgeschtttzc für die Artillerie in Anssicht genommen sind. Auch darüber liegen Meldungen vor, daß die anglo-iudische Regierung ihre militärische Stellung an der Induslinic dnrch Umfassung der afghanischeu Südgrenzen sehr verbessert hat; denn von den neu erworbneu und neu gesicherten Gebietsteilen in Knfiristan und in Beludschistnu ans flankieren die englischen Truppenaufstelluugen des Grenzgebiets die Linie Kabul-Kandahar mit den im Süden von ihr liegenden Pässen über das Suleimnugebirge; vor allen Dingen aber eröffnet die Besitznahme von Chitral mit dem Thale des Kashkar, eines Nebenflusses des Kabulstroms, mit Umgehung des den Engländern schon einmal verderblich gewesenen Khaiberpasses, den Zugang nach Djellalabad und der Landeshauptstadt Kabul. Damit üben aber die Engländer einen Druck auf den Emir ans, dem er sich nur schwer wird entziehn können.
Eine durch die Natur stark begünstigte uud auch strategisch wertvolle Landesgrenze allein genügt jedoch nicht, das gewaltige indische Reich gegen äußere Feinde zu sichern. Hierzu bedarf es auch einer starken, schlagfertigen und zuverlässigen Operationsarmee, einer zuverlässigen und opferwilligen Bevölkerung, wie eines nach strategischen Rücksichten richtig angelegten nnd zugleich leistungsfähigen Eisenbahnnetzes. Gerade diese letzte Forderung füllt bei der Verteidigung Indiens um so schwerer ins Gewicht, als die andern nur bedingungsweise erfüllt werden, zumal da der bei weitem größere Teil aller Feld- Kuppen im Falle eiues Krieges mit Rußland in den Friedensgarnisonen nnr schwer abkömmlich sein wird, und dn in Zukunft mehr als je mit eiuer mög-