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Hellenentum und Christentum : 10. Schlußbetrachtung
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zweierlei ist so wichtig, daß dadurch die ausführliche Erwähnung Schmidts an dieser Stelle gerechtfertigt erscheint. Seine Auffassung bedeutet die cntschiedne und endgiltige Absage der modernsten Wissenschaft an denWeisen von Na- zareth" der Nationalisten. Das Wesen des Christentums besteht nicht darin, daß ein weiser Manu, der nur uoch ein wenig weiser und besser gewesen ist als Sokrates, durch Wort uud Beispiel als ein Lehrmeister künftiger Ge­schlechter bis heute wirkt, sondern darin, daß eine geheimnisvolle Persönlichkeit durch ihren Tod der Menschheit eine nene Lebenskraft verliehen hat. Und zweitens bedeutet diese Auffassung den entschiedensten Bruch mit dem prote­stantischen Schriftprinzip und die Rückkehr auf den katholischen Standpunkt; die Rückkehr zu dem Glnubeu, daß der Geist Jesu in der Kirche lebt, ihr in jedem Jahrhundert hilft, zu lehren und zu thun, was die Zeit erfordert, und daß die Schrift selbst, weuu auch vielleicht das wertvollste, so doch ebcu mir ein Produkt dieses in der Kirche waltenden Geistes ist. Selbstverständlich deckt sich nicht etwa die Praxis der Papstkirche mit dieser katholischen Idee, denn die Päpste nnd ihre Konzilien haben vieles gelehrt nnd angeordnet, was nicht Ausfluß des göttlichen Geistes, sondern Volks- oder Zeitirrtum und dnrch das hierarchische Interesse geboten war. Aber soweit sind wir heute, daß kein protestautischer Philosoph und Theolog mehr nu die Buchstabeninspiration glaubt oder das von der lebendigen Entwicklung der Menschheit losgelöste tote Bibelwort für die alleinige Quelle aller Wahrheit hält. Vielmehr ist man ganz allgemein, natürlich ohne es ausdrücklich zu sageil, zu der katho­lischen Idee zurückgekehrt, daß der göttliche Geist jeder Generation der Christen­heit zu der Erkenntnis verhilft, die sie braucht, ihren Glauben und ihre Liebes- thätigkeit lebendig erhält und sie die den Zeitnmstäuden angemessenen Ein­richtungen treffen lehrt. Uud eben weil das Christentum die religiösen Be­dürfnisse der Völker auf jeder Stufe ihrer Entwicklung zu befriedigen vermagl hat es von dieser Entwicklung nichts zu befürchten, und ist seine heutige Lage der des griechischen Heidentums zur Zeit Julians nicht im mindesten ähnlich.

L. I-

Musikalische Zeitfragen

von Hermann Krctzschinar

8. Die Musik als dienende Auust

!s genügt nicht, die Musik breit uud sicher zu fundieren; sie muß auch richtig, d. h. so verwandt werden, daß sie ihre volle .Kraft mach allen Seiten, wo sie gebraucht wird, nnd über das ganze !Volk eutfalteu kann. Wir unterscheiden nach der Verwendung Idie Musik als dienende uud als freie Kunst. Sie dient überall, wo sie sich außermusikalischen Zwecken unterordnet, sich in öffentliches und bürgerliches Leben einfügt; sie ist frei, wo das musikalische Kunstwerk von allen äußern Interessen gelöst rein und allein wirken soll. Zwischen diesen beide"