Beitrag 
Marokko
Seite
69
Einzelbild herunterladen
 

Adel und Land in England

M>

daß die französische Republik in Tripolisdesintcressiert" sei ein Geschenk ans türkische Kosten! Offenbar bedenket das eine Kette von Fehlern auf eng­lischer nnd italienischer Seite, und Frankreich hat den Vorteil davon. Zwei Mächte, die so an der Anfrechterhaltnng des Gleichgewichts im Mittclmeer interessiert sind und jede für sich so wenig Aussicht haben, es zn erhalten, hätten sich nicht eine Abkühlung ihrer alten Freundschaft erlauben dürfen. Sie sind darauf angewiesen, mit vereinten Kräften der französisch-russischen Kom­bination ein Gegengewicht zu geben und zu verhindern, daß das Mittelmeer em französisch-russischer See wird, den Frankreich im Westen, Rußland durch die Operation eines Landheeres auf Suez im Osten schließt. Die letztgenannten Machte werde» diesem Ziel wesentlich näher gekommen sein, wenn Frankreich Marokko in seinen Besitz bringt. Darnm liegt soviel daran, ob sich Spanien dem französischen Vorgehn anbequemt oder nicht.

Endlich scheint mich die englische Presse diesen Angelegenheiten wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Einzelne Blätter fangen doch an, den tief­gehenden Unterschied zu begreifen, der sich durch die Entfremdung mit Italien vollzogen hat. lim so nrgwöhuischer betrachten sie die Anzeichen einer Ver­ständigung zwischen Spanien und Frankreich über Marokko. Deutschlands Interesse ist viel kleiner als das von England. Aber daß eine so wichtige Position wie Tanger nicht in Frankreichs Hände übergehn kann, ohne große Nachteile auf für Deutschland hervorzurufen, liegt doch an: Ende wohl auf der Hand. Auch wir müssen dazu beitragen, daß Marokkos Unabhängigkeit erhalten bleibe. ^ ^

Adel und Land in England

von Hugo Bartels (Fortsetzung)

n Deutschland haben sich die ritterbürtigeu Geschlechter zu eiuer nach außen abgeschlossenen nnd schon im Namen dnrch das Wörtchenvon" gegen die übrige Menschheit abgegrenzten Kaste entwickelt. In den meisten Fällen freilich enthält die Bezeich­nung einen Widerspruch, indem der Träger des Namens weder "'e betreffende Ortschaft besitzt noch die geringste Aussicht hat, sie jemals zu besitzen. Noch stärker wird der Widerspruch, wenn das Wörtchenvon" >'ch einem Namen wie Müller oder Schulze vorgesetzt findet, der über­haupt leine Ortschaft bezeichnet. Solcher Briefadel zeigt, daß in Deutschland ^er ursprüngliche Sinn des Wortes Adel verwischt nnd verdunkelt worden 'st- Als Begriffskern liegt ihm zn Grnnde das Vererbte, Angestammte; das althochdeutsche uom'1 bedeutete Erbsitz. Voraussetzung des Adels war also er­erbter, augcstammter Grundbesitz. Doch nur bei einem Teile des deutschen "ldels trifft diese Voraussetzung noch zu? der allgemeine Begriff Adel bezieht