Von einer Weltreise
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nicht bloß in die äußerlich feinern Verhältnisse, sondern auch in die höhern Sphären, darinnen, wie der Dichter sagt, das Ohr viel feiner hören und das Auge weiter tragen kann.
In der äußern Darstellung gehn Erzählung und Ortsschilderung bei Vröndstcd weniger in die Breite, der Nachdruck liegt auf dem bei manchmal äußerster Knappheit — die Menschen des Nordens sind einsilbig — vielsagenden Dialog; geradezu erstaunlich ist es. wie die Unterdrückungen, die nicht zu Ende gesvrochnen Sätze, typographisch ausgedrückt die Gedankenstriche, wirken. Das Personifizieren lebloser Gegenstände, die mit Eindrücken zn den Menschen sprechen, findet sich auch bei Bröndsted, wenn er z. B. Niels sich mit seiner Studierlampe unterhalten läßt, ebenso das Meditieren, das zum Selbstgespräch wird. Die psychologische Kunst ist mindestens ebenso groß wie bei Frenssen, z. B. in der Haushälterin des Ministers und in dem für die Exposition wichtigen Vertrauensverhältnis, das sich zwischen ihr und ihrem Schützling Niels leise anspinnt. Die Figur des Verrückten hat für manchen Geschmack vielleicht etwas '"ehr Licht bekommen, als für ihre Aufgabe, durch die Ermordung des Ministers die Katastrophe herbeizuführen und die Hauptperson über die flache Rolle nnes Hans im Glück zn erheben, erforderlich war. Übrigens herrscht volles Ebenmaß in der Abwägung der Rollenfächer und der Folge der Szenen, sodaß man nichts hinwcgnehmen könnte. Da das Mitten Bröndsteds welt- förmiger ist, so ist das Pathos weniger stark, aber der Gesmnteindrnck darmn doch nur scheinbar flacher als bei Frenssen, wo nach uuserm Gefühl wenigstens der mehr an die Nerven gehende Prcdigertvn manchmal der künstlerischen Wirkung im Wege steht.
Wir meinen also, uud das sollte mit dieser kurzen Parallele gesagt sem. daß Bröndsted der größere Künstler ist, wogegen sich ja vielleicht in Frenssen noch das stärkere Talent wird offenbaren können.
Von einer Weltreise
^. Die Blutsaristokratie der Europäer in den Tropen
ls ich als Schiffsarzt um Afrika fuhr, lief unser Schiff auch einige kleinere Häfen des portugiesischen Ostafrikas an. Es ist Sitte, daß die Herren vom Land den Ankömmlingen an Bord den ersten Besuch machen. Darum hatten wir bald die ganze ^. deutsche Kolonie an Bord versammelt. Denn es locken nicht oß Bier und Rheinwein, die ja mich an Land zu haben sind, sondern als ^ kostbarsten aller Delikatessen Schwarzbrot, Butter und Käse, die nur, wenn ^ Schiff oon der Heimat kommt, zu haben sind. Die Unterhaltung kam
ui Gang. Denn jeder fragt, worauf er eben neugierig ist, nnd an be-
ref^' t ------- — > ——......> .....-......^—» "
"Mgter Neugierde ist ja auf beiden Seiten kein Mangel. So fragte ich: