Beitrag 
Jörn Uhl und Niels Glambäk
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

Jörn Uhl und Niels Glcunbäk

der Sohn Gottes von Ewigkeit geboren mit dem wilden Leben im Dorf und mit seinem eignen Pflügen und Eggen zu thun hätten, und er wuuderte sich im stillen, daß das Wort Gottes so unpraktisch war. Nach ihm hätte es heißen müssen: Der Bauer, der nicht jätet, wird nicht selig, nnd für jeden Wirtshaus­abend wird ihm ein Jahr im Himmel abgezogen; so ungefähr Hütte er die Bibel gemacht. (Also etwa, wie wir in unsrer Kindheit noch die letzten Nach- treter des alten Rationalismus haben predigen hören.) Du mußt immer auf demselben Platz sitzen, hatte ihm sein alter Tagelöhner gesagt; seit sechzig Jahren sitze ich jeden Sonntag da in der dritten Reihe, bloß die zwei Jahre abgerechnet, als ich gegen die Dänen im Felde lag. Und so blieb nichts weiter nach, als daß Jörn Uhl darum etwas auf Gott hielt, weil der so etwas altmodisches hatte.

Eingehend wird die Entwicklung seines Sinnenlebcns analysiert, vom ersten Erwachen aus einem heißen Traum bis zu seiner Heirat. Als Zwischen­handlung spielt ein Verhältnis zu einem walkürenühnlichen, viel ältern Mädchen, das ihn stärker uud fester macht, ihn gleichsam an dem Rand des Schuldig­werdens entlang führt und mit eindringlichem Zuspruch bewahrt. Dieses psycho­logisch kaum mögliche Verhältnis mit Reflexionen, die anstößig wirken müssen, wenn sie zu Zwiegesprächen werden, soll offenbar Jörn zur Heirat reifmachen- Als Gegenbild wird noch eine spröde Braut eingeführt, die ihre Abneigung gegen die Männer überwindet durch den Anblick eines noch nicht erwachsenen Bauernjungcn, der ahnungslos ihr Wohlgefallen erweckt. Nachdem die beiden weiblichen Figuren diesen Zweck für die Exposition erfüllt haben, verschwinden sie spurlos von der Schaubühne. In dieses Gebiet gehören noch zahlreiche Einzelheiten, die mit Jörn Uhls eignem Leben nicht zusammenhängen, und endlich die schon früher angedeuteten Vorgänge, die seiner eignen ersten Heirat vvrangehn, und für die wir auch hier die Leser nur auf das Buch selbst ver­weisen mögen. Bereitwillig erkennen wir Frenssen das Lob eines starken und wahren Realisten zu (So ist das Leben," heißt der Titel eiues uichtsnutzigen allermodernsten Theaterstücks), wir sind aber dieser Art von Realismus in einem ernsten Roman der höhern Gattung noch nicht begegnet und können uns wirklich nicht vorstellen, wie dieser das erstemal so reichlich abgeerntete Acker dem Verfasser noch weitere Früchte tragen soll. Sein Erzählungstalent findet ohnedies Aufgaben genug.

Die Darstellung des täglichen Lebens und der bäuerlichen Berufsarbeit Jörn Uhls ist, wie sich das bei dem Verfasser eines solchen Buchs von selbst versteht, nicht bloß korrekt, sondern auch auschaulich, dabei keineswegs monoton. Eher wirkt die Menge von Einschiebnngen, über die man, ohne nm Ganzen zu verlieren, hinweglesen könnte, zerstreuend. Der Verfasser hat uns viel zu sagen, und er giebt von seinem Überfluß, wie es ihm kommt, uubefaugen und natürlich, und diese naturalistische Art hat ja namentlich für den Bauersmann ihr Recht und außerdem noch den Vorzug, daß sie nicht leicht ins Gezierte fällt. An wichtigen Stellen seines Buchs wendet er aber auch die verweilende, ausführende Schilderung an, und diese Teile sind nach unsrer Meinung die wertvollern. Wir denken dabei nicht an die Szenen aus den Feldzügen, die in ihrem abgerissenen Plakatstil weiter keinen Eindruck auf uns gemacht haben,