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Zug Nummer 374
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

ehrter Freund! An Ihren Rosenthal glaube ich nicht. Sie haben die ganze Ge­schichte nur zusammengeflunkert, um es mir unbehaglich zu machen! Aber er war schon weg!

In mein Coupee bin ich vor Berlin nicht wieder gegangen ich bin in den Speisewagen balanciert pfui Kuckuck! , G.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Zum Kapitel Rezensionsexemplare. Es gehn augenblicklich Erörterungen über dieses Thema durch die Presse, bei denen die wunderlichsten Anschauungen und Vorschläge zu Tage kommen.") Als Unparteiischer Zeitschrifts- nnd Büchcrverleger zugleich erlaube ich mir einige Bemerkungen zu der Sache zu machen. Es ist klar, das; es für den Verleger ärgerlich ist, wenn Bücher, die er zur Besprechung hergiebt, nicht besprochen werden, denn sein Zweck, seine Bücher auf eine ihm keine Kosten be­reitende Weise bekannt zu machen, geht verloren. Aber den Zeitschriften und Zeitungen daraus eine Verpflichtung abzuleiten, wenn ich ihnen Bücher zum Besprechen zuschicke, daß sie dies nun auch thuu, wäre absurd von mir. Es kommt vor allem darauf an, was die Blätter selbst als ihre Verpflichtung anerkennen. Es gab eine Zeit, wo sie es als eine Ehrenpflicht für sich und ihren Lesern gegenüber ansahen, oder wenigstens ihren Nutze» darin fanden, die Litteratur aufmerksam zu verfolgen. Das war die Zeit, wo die Inserate noch keine Rolle spielten, wo die Blatter insbesondre auch wegen ihrer Litteraturberichte gelesen wurden, und wo es überhaupt noch eine Litteratur von allgemeinem Interesse gab, das heißt, wo die Litteratur noch einen solchen Umfang und eineu solchen Inhalt hatte, dnß sie allgemeines Interesse in Anspruch nehmen konnte und auch fand. Daß das heute nicht mehr der Fall ist, weiß jeder­mann. Die Verhältnisse sind ins Ungemessene gewachsen. Blätter des alten, innerlich bedeutenden, äußerlich bescheidnen Stils giebt es nicht mehr. Die Tagespressc ist vielhundertfach gespalten, hat überwiegend politischen und wirtschaftlichen Inhalt neben der mehr oder weniger banalen, aber für den großen Haufen wichtigen Tages­chronik und ist im übrigen und in der Hauptsache reines Jnseratengcschäft; die Litteratur ist für die meisten Zeitungen etwas gänzlich nebensächliches, es giebt nur noch wenige, die eine Ehre darein setzen, ernsthafte und vornehme litterarische Kritik zu üben. Und nicht besser steht es bei der Litteratur. Kann man denn die ins Ungemessene gewachsene Bücherfabrikation überhaupt noch Litteratur nennen? Sogar auf dem Felde der wissenschaftlichen und der technischen Fachlitteratur spielt die reine Fabrikation, das Jnslebensetzen von Konknrrenzunternehmungen auf allen Gebieten, wo irgend etwas geglückt ist undzu machen" zn sein scheint, eine ganz gewaltige Rolle. Das geht so weit, dnß auch die Journale, die Wochen-, Monats­und Vierteljahrsschriften der einzelueu dieser Gebiete gar nicht mehr imstande sind, ihre Speziallitteratur bis ins einzelne zu besprechen; sie müssen sich darauf be­schränken, das Bedeutende und das Wichtige hervorzuheben und das Schlechte und Gefährliche zu kennzeichnen, soweit das der Mühe wert ist. Das Unbedeutende werfen sie ganz selbstverständlich einfach uuter den Tisch.

Und nun vollends die eigentliche, die allgemeine unterhaltende und belehrende Litteratur! Was drängt sich da alles auf deu Markt und an die Zeitungen und Zeitschriften heran! Was schreibt da alles und wird alles gedruckt! Sollen denn die Blätter verpflichtet sein, allen Schund zu besprechen, der ihnen zugeschickt wird,

") Eine kleine nach kurzer Zeit schon in zweiter Auflage erschienene Schrift von Karl Aollmöller-Das Rezensionsexemplar und die bezahlte Rezension" (Verlag von Franz Junge, Erlangen), unterrichtet darüber und sei den Interessenten empfohlen.