Institutsreisen
von Friedrich Seiler (Schluß)
nsrc Gesellschaft war nicht nur sehr international, sondern nnch von sehr schwankendem Bestand. Als ich am Morgen der Abreise auf dein Pelopouuesbahnhof antrat, war ich erstaunt, außer den im Verzeichnis aufgeführten Teilnehmern noch andre zu finden, darunter auch mehrere Dninen, archäologische und nicht archäologische, nnter deu ersten eine Engländerin, die schon ein nicht unbedeutendes Bnch über Athen geschrieben haben sollte und nunmehr eins über Sakralaltertümer schreiben wollte. Diese Damen machten die Pelvponncsreise bis Nnuplia mit, fuhren dnuu nach Athen zurück, um iu Olympia verstärkt wieder zu uns zn stoßen. In Patras erfolgte ein neuer Zustrom aus Athen, jüngere Herren von der deutscheu Gesandtschaft, und eine Anzahl Damen. Noch massenhafter fanden sich derartige „Schlachtenbummler," eine Bezeichnung, die sich die eigentlichen Teilnehmer verstohlen ins Ohr flüsterten, zur Juselreise» ein. Es lag ja im Interesse aller, daß das Schiff so vollständig wie möglich belegt wurde, aber es wurde durch diese inoffiziellen Teilnehmer eine gewisse soziale Gärung in die Gesellschaft getragen, die bisweilen die Stimmung beeinträchtigte. Die eigentlichen Teilnehmer, für die die Reisen doch vor allem bestimmt waren, beschwerten sich, daß sie neben dein zahlreichen, vornehmern Anhang vielfach mit ihren Interessen nicht recht zur Geltung kamen. Sie fanden es ja durchaus in der Ordnung, daß sie als jüngere Lente die zweite Kajüte im Schiff erhielten, aber keineswegs, daß die zum Teil steinreichen Herrschafteu, die, streug genommen, doch nur als Anhängsel unsrer Reisegesellschaft gelten kountcu, genau uur dasselbe zn bezahlen hatten, wie sie selbst. Da fielen wohl Äußerungen wie: „Ich sehe nicht eiu, warum, ich , armer Stipendiat für den Herrn Millionär Sonndso die erste Kajüte bezahlen helfen soll," oder: „Wenn ich tausend Jahre alt werde, so mache ich solche Reise nicht wieder mit."
Nun ist ja ganz klar, daß es für Professor Dvrpfeld eine absolute Unmöglichkeit ist, distinguierte, ihm dringend empfohlene Persönlichkeiten abzuweisen; es könnte aber leicht aller Verbitterung die Spitze abgebrochen werden, wenn solchen Herrschaften ein über den Durchschnitt weit hinausgehender Beitrag zu den Reisekosten auferlegt nnd damit die ausgleichende Gerechtigkeit hergestellt würde. Übrigens war Dörpfeld selbst offenbar von all diesen, thatsächlich doch vielerlei Rücksichten beanspruchenden Mitreisenden wenig erbaut. Er fühlte sich offenbar am wohlstell, wenn er mit seinen eigentlichen Stammmannschaften allein war. Dann fielen die mannigfaltigen gesellschaftlichen Rücksichten, die sonst zu