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Musikalische Abfragen
ihren Gott mit zormnütigem Wüten nach. Nein, die Heiden sind wahrlich nicht von Gott verlassen gewesen! Alle Künste und Wissenschaften haben sie erfunden, während die Juden für die Kultur nichts geleistet haben. Sich dann gegen die Galiläer wendend, ineint er, wenn sie wenigstens dem Judenglauben huldigte», so würde» sie zwar gegcu die humane griechische Religion eine harte und barbarische Religion eingetauscht, aber immerhin mit dieser noch einiges Gute empfangen haben. Sie Hütten aber von den Juden wie von den Heiden nur das Schlechte behalten, von den Judeu den Haß gegen die Götter, von den Heiden die Liederlichkeit, und seien ganz verdorben. Besonders rückt er ihnen die Trinitätslchre als einen Abfall vom jüdischen Monotheismus vor und Nieist nach, daß die Synoptiker und Paulns von der der Gottheit Christi und von der Logoslehrc des Johannes nichts wissen.
Man sieht: ließen sich dicke Wirklichkeiten durch Raisonnement aus der Welt schaffen, Julian wäre wohl der Mann dazu gewesen, das Christentum zu vernichten. Das ist nun nicht möglich, und nicht weniger unmöglich ist etwas audres, was ihn sein Philvsvphengewissen zu unteruehmen verpflichtet haben würde: er hätte — das denken auch seine Briefe an — seine Unterthanen mit Gewalt beglücken und zu tugendhafte« Mcuschen machen wollen. Ist das nun immer und überall unmöglich, so war es zehnfach unmöglich bei einem Reiche von dein Umfange und der Viclgestaltigkeit des seinigen, bei der Verderbtheit der einen, der Wildheit der andern seiner Völker, und bei dem unheilbaren Siechtum des Staates. Der passive und der aktive Widerstand, an dem alle seine Maßregeln gescheitert sein würden, hätte ihu verbittert und zu immer größerer Strenge genötigt, und leicht konnte es ihm ergehn wie dem bürgerlichen Gerechtigkcitsschwnrmer und Menschenbeglücker Nobcspicrre: der zartfühlende, milde uud edle Philosoph konnte als ein vou alleu Menschen verfluchter Wüterich enden. Die Tragik seines Lebens liegt also nicht in seinem Tode, durch dcu ihn Gottes Güte vor einem grausamen Schicksal bewahrt hat, und der keiue Folge seines großen Irrtums war. I,
Musikalische Zeitfragen
von Hermann Uretzschmar
6. Die Musik aus den Universitäten
(Schluß)
och klarer ergiebt sich ein Fortschritt, wenn man die musikalischen Dissertationen von heute mit denen vor dreißig Jahren vergleicht. Damals an den Universitäten Berlin, Leipzig, Wien, und nur an ihnen, aller drei Jahre einmal eine, jetzt an jeder dieser drei Universitäten jedes Jahr durchschnittlich drei, in München ebenso. Aber auch an mittlern und kleinern Universitäten iStrnßburg, Prag, Rostock, Erlangen) gehören sie nicht mehr zu den Seltenheiten. Es hat nicht fehlen