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Hellenentum und Christentum
gründliche juristische Schulung uud Gesetzeskuude in seine verautwortliche Wirksamkeit mit hineinbringt, daß, wie es ja auch geschieht, im Verwaltungsexamen die Referendare vor allern ans diese Fragen ihres Vorbereitungsdienstes geprüft, und daß der Vorbereitungsdienst vor allem hiernach eingerich tet wird.
Hellenentum und Christentum
y. Julian (Schluß)
ulians Thronbesteigung erfüllte die Forderung Plutos, daß die Philosophen Könige werden oder die Könige Philosophen sein sollten, so vollständig wie möglich; leider oder zu seinem Glück jedoch war ihm die Zeit nicht vergönnt, die Befähigung der Philosophie zur Regierung eines großen Reiches zu beweisen. Er selbst hat bezweifelt, ob theoretische Studien die richtige Vorbereitung auf den Regentenberuf seien. In der Antwort auf einen Brief des Philosophen Thcmistius, den er gleich nach seinem Regierungsantritt zum Prüfekteu von Konstantiuvpel ernannt hatte, entwickelt er seine Bedenken uud seine Vorsätze. Ich fürchte sehr, schreibt er ihm, daß ich deine Erwartungen nicht erfüllen werde. Wenn ich iu früherm Jahren an den Regentenberuf dachte, so schien es mir, daß ich als Kaiser sehr weit hinter einem Alexander, einem Mare Anrel jzurückbleiben würde, uud ich wünschte deshalb, als Privatmann leben zu dürfen. Dein Schreiben hat meine Befürchtungen verdoppelt. Du stellst mir die Aufgabe, gleich Herakles und Dionysos jdie ebenfalls Philosophen und Könige gewesen seienj die Erde von allen Plagen zu befreien. Du willst, daß ich jeden Gedanken an Ruhe und Muße verbanne, du erinnerst mich an die großen Gesetzgeber und meinst, die Welt erwarte von mir noch mehr. Du verwirfst Epikurs Rat, im Verborgnen zu leben. Ich verwerfe ihn anch, aber ob der erste beste Unbefähigte die Pflicht hat, den Staat zu regieren, ob einer, der seine Unfähigkeit kennt, seinen Widerwillen gegen die Politik überwinden soll, das ist doch noch eine andre Frage. Niemals hat Philosophie einen Mann zum tüchtige» Feldherrn gemacht. Und wie übermenschlich schwierig ist der Regentenbernf! Pluto sagt (im vierten Buche der Gesetze, Kap. 6), Saturn habe erkannt, daß ein Mensch, über Menschen gesetzt, nicht anders als ungerecht und gewaltthätig regieren könne, und habe deshalb Dämonen zu Königen gemacht; die Menschen verführen ja auch nicht anders; sie vertrauten nicht einem Ochsen, sondern einem Menschen die Ochsenherde an. Nur die höhere Natur könne die niedre regieren; seitdem nun das satnrnische Zeitalter vorüber sei, müßten wir uns ihm wenigstens in der Weise zu nüheru suchen, daß nur ausschließlich den unsterblichen Teil unsers Wesens die öffentlichen Angelegenheiten leiten ließen. Demnach, folgert daraus Julian, soll der Regent ein göttliches Wesen, ein Dämon zu werden streben, aus seiner Seele alles Sterbliche und Tierische verbannen, soweit es