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Maßgebliches und Unmaßgebliches
So hat also dieser Brief seit dem Thee hier drin gelegen, denkt Niels. Die Flamme der Lampe brennt nun ganz ruhig; sie leuchtet auf die Überschrift und auf die Hand, die das Couvert öffnet. Der Lcunpenschein zittert heftig auf seiner Hand, aber es rührt nicht von der Flamme der Lampe her, das; er so zittert; diese brennt ganz ruhig.
Aus dem Couvert heraus zieht Niels einen Zettel, einen kleinen, weißen, viereckigen Zettel, gerade den von dem Schreibespiel, den, den sie ihm damals nicht hatte geben Wollen, und auf dem Zettel steht dasselbe wie damals, nicht mehr und nicht weuiger:
Herzhaft
Marie.
Und das ist die Antwort auf die Entsagung, die er ihr zurückgelassen hatte, als er von Rödsten abgereist war!
Hocherhoben hält er das Papier in der Hand, und sein Gesicht ist nicht wieder zu erkennen, und er hält das Papier hocherhoben und zeigt es triumphierend der Lampe.
Aber die Lampe blinkt listig zu ihm hinüber und flüstert ganz leise: Nur das Eine zuerst!
Das Eine! Und ist es auch nur eine Hoffnung — sogar eine geringe Hoffnung, und niemand kann wissen, ob sie sich je verwirklichen wird —, so ist doch diese Hoffnung der Tau für seinen Willen, genug zum Glauben, zum Handeln, zur Freude, und es ist das, wodurch Niels Glcimbcik ein Mann werden wird, so wie ein Mann sein soll.
Und niemand wird es ohne dieses Eine. Beuge einen Menschen in Enttäuschungen, drücke ihn nieder in Unglück über Unglück, begrabe ihn unter einem Berg von Kümmernissen — aber gieb ihm das Eine, du wirst sehen, er erhebt sich, er kämpft, er ist unüberwindlich.
Und eines Tages hält er die Besiegelung seines Glücks in der hoch erhobnen Hand und zeigt sie mit Triumph der Vertrauten aus den Tagen der Prüfung, der treuen Arbeitslampe.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Die auswärtige Politik Italiens unter König Viktor Emanuel III. Der ebenso glänzende wie herzliche Empfang des dritten Königs von Italien am deutschen Kaiserhof und iu der deutschen Reichshauptstadt hat das feierliche Siegel auf die Erneuerung des mitteleuropäischen Dreibundes gedrückt und in Italien selbst den allergünstigsteu Eindruck gemacht. In einem schwungvollen Leitartikel begrüßt eines der maßgebenden italienischen Blätter, der Mailändische voriiors äellg, 8<zi-a, das Ereignis und die Erneuerung des Bündnisses mit Deutschland als eine in der Geschichte beider Länder tief begründete Erscheinung. „Von allen unsern Allianzen bleibt die natürlichste und populärste immer die mit Deutschland. Die Gegenwart ist die Summe der Vergangenheit, und es giebt kein Beispiel einer so eng verbundnen und verflochtnen Geschichte wie die Italiens uud Deutschlauds. Das sind Worte, die keine Bedeutung für die Gegenwart mehr zn haben scheinen; aber wer kann lengnen, daß der Geist, der die italienische Einheit geschaffen hat uud erhält, wesentlich ghibellinisch ist? daß der ihr feindliche Geist wesentlich guelfisch ist? Und der einende ghibellinische Geist verbindet uns mit Deutschland durch alte Erinnerungen und unvergeßliche Geschichten, durch das Studium und