Beitrag 
Musikalische Zeitfragen : 6. Die Musik auf den Universitäten
Seite
650
Einzelbild herunterladen
 

650

Institutsreisen

Theorie und praktischer Musik, zu audern Zeiteu wird aber auch bei ihnen gelegentlich ein musikalisches Kolleg geboten. Es hat sich sonach im Lauf eines Menschenalters die Zahl der Universitäten, an denen Musikwissenschaft geboten wird, und die Zahl der Dozenten beträchtlich vermehrt; vor allen: aber ist das Vorlesungsgebiet merklich erweitert und ausgebildet worden.

(Schluß folgt)

Institutsreisen

von Friedrich Seilers

> owohl das Kaiserlich deutsche Institut zu Rom wie das zu Atheu veranstalten alljährlich Studienreisen, um deutschen Schulmännern und Archäologen eine wirkliche Anschauuug der antiken Bau- und Kunstdcnkmäler zu verschaffen und ihre wissenschaftliche Erkennt- >nis durch fachmännische Erklärung zu vertiefen. In Italien dauert der Kursus sechs Wochen; er wird im Oktober und November unter Leitung der Professoren Petersen, Hülsen und Mau abgehalten. Professor Mau erklärt außerdem im Juli die pompejanischen Ausgrabungen. Zu dem italienischenHerbstgiro" Zutritt zu erlangen, ist nicht leicht; denn der Zu- draug ist sehr stark, die einzelnen preußischen Provinzen kommen nur jedes zweite Jahr daran und dürfen in der Regel nur einen einzigen Vertreter stellen. Die Aussicht, angenommen zu werden, ist also nur gering.

Ich persönlich bin nicht zugelassen worden, habe deshalb meine italienischen Reisen allein gemacht und bin durch Vergleichung meiner eignen Erfahrungen mit den gedruckten Berichten und mündlichen Mitteilungen von Teilnehmern am Giro zu der Ansicht gekommen, daß das Alleinreisen in Italien vorzuziehn sein dürfte.

Die Führung ist selbstverständlich ausschließlich auf das Antike gerichtet und geht dabei oft stark ins einzelne hinein. Sie bietet zwar eine Fülle von Anregung und Belehrung, aber man muß andrerseits auch öfter lange von Dingen reden hören, die weder für den Unterricht noch für die geistige Erkenntnis des Altertums von wesentlicher Bedeutung sind, und auch die an sich interessanten Gegenstände werden wie das in der Natur fachmännischer Unterweisung liegt leicht allzu eingehend erörtert. Für das liebevolle Versenken in die großen Kunstwerke der Renaissance fehlt es nach diesen eine nicht geringe Nervenkraft in Anspruch nehmenden Führungen dann leicht an seelischer Frische und auch an Zeit. Und doch stehn die Nenaissancewerte an allgemein bildendem Werte den Denkmälern der Antike nicht nach. Diese Führungen lassen sich zudem bis zu einem gewissen Grade neuerdings durch gute Bücher ersetzen, z. B. durch das von Hclbig: Die öffentlichen Sammlungen

") Die Artikel Griechische Reiscskizzen in Heft 27 bis 31 stammen von demselben Verfasser, dessen Name damals versehentlich nicht genannt worden ist.