Paris und seine Befestigungen
eit mehreren Jahren schvn trägt sich die französische Heeresleitung mit der Absicht, einen Teil der Umwcillnng von Paris niederzulegen, um dadurch der Stadt mehr Ausdehnungsfähigkeit zu schaffen. Schon im Jahre 1874, als das neue Befestigungssystem festgestellt wurde, ist die Frage lebhaft erörtert worden, ob man Ulcht die Enceinte ganz beseitigen und die Sicherung der Hauptstadt nur durch vermehrte Außenforts erreichen sollte; man sah jedoch davon ab, weil man "er Ansicht war, daß die bestehende Umwallnng immerhin als eine Stütze der Außenforts betrachtet werden könne, nnd außerdem, wie im Jahre 1870/71, der Bevölkerung der Hauptstadt eine moralische Sicherheit bieten werde. Das Projekt einer Niederlegung der UmWallung nur zum Teil ist aber seit dein ^ahre 1890 immer von nenem in Erwägung gezogen worden nnd Gegenstand ^"gehender Verhandlungen gewesen. Zn Anfang des Jahres 1898 erklärte sich der Kriegsminister Billot mit einer Schleifung der Umwallnng der West- und der Nordfront, und zwar vom Point du Jour (Straße nach Sevres) bis Zur Porte de Pantin (nordöstlich an der großen nach Meaux führenden Straße) ^"verstanden. Er legte den beteiligten Kommissionen des Abgeordnetenhauses, "er Heereskommission und der Budgetkommission, einen Entwurf vor und erlangte ihr Einverständnis. Hiernach sollte der abzutragende Teil der alten Umwallung durch eine bis an die Seine vorgeschobne, nach modernen Grund- Mtzen erbaute neue Eneeinte ersetzt nnd diese durch sechs bis sieben neue Forts verstärkt werden. Über die Ausführung dieses Projekts schwebten trotz es vor vier Jahren erreichten Einverständnisses bis jetzt die Untersuchungen wd Verhandlungen. Erst zu Anfang Juli dieses Jahres hat die Regierung Kammern einen Gesetzentwurf vorgelegt im Anschluß an das Gesetz vom Februar 1898, dessen Artikel 6 bestimmt, daß die Bedingungen für die ."Zerlegung der West- und der Ostfront durch ein Gesetz festgestellt werden Wllten. Wenn der Gesetzgeber nach dem Vorschlage des Generals Billot hierbei gerade die West- nnd die Nordfront ins Auge gefaßt hat, so erscheint dies ärlich ""d gerechtfertigt, weil die Westfront einem feindlichen Angriff am wenigsten ausgesetzt und außerdem durch den Lauf der Seine geschützt ist, Grenzboten I I , 1902 78