Niels Glambäk
Wie er ein Mann wurde
von K, G. Lröudsted Zweiter Toil 26
s kamen Tage, deren sich Niels später wie durch einen Schleier erinnerte, sonderbare Tage mit Verhör nnd Polizei und Pfnrrer und Begräbnisleuten. Sonderbare Tage mit Kränzen nnd Telegrammen und Briefen und Seuduugeu schicken und empfangen, alles um eines und desselben willen. Sonderbare Tage, als die Gäste, mit Ausnahme von Marie, alle abgereist waren, und das Schloß uicht mehr von deu Stimmen der Jugend hallte. Tage mit leeren, schweigenden Zimmern nud feierlichen Vorbereitungen im Haus und in der Dorfkirche und in der Huitfeldtischeu Grabkapelle. Tage mit reichlicher Zeit für Niels —- sollte man glauben — zn traurigen Gedanken und zu kummervollen Betrachtungen und doch nllt keiner richtigen Rnhe, weder zu dem eiueu noch zn dem andern; es lag wie ein dumpfer Nebel über seinem Gemüt.
Sonderbare Tage, wo er Marien auswich, nnd wo er auf der ganzen Welt >nchts finden konnte, woran man gern dachte, als daran, daß Marie doch vor dem eigentlichen Gräßlichen verschont geblieben wäre, und dafür hatte er gesorgt.
Mariens Vater, der Hofjägermeister von Svholm, der nächste Verwandte des Ermordeten, wurde zur Beerdigung erwartet.
Am Abend vorher suchte Niels Fräulein Lassen in ihrem Zimmer auf. Hier offenbarte er ihr alles, wie Huitfcldt am Abend vor seinein Tod erklärt hatte, °"ß er ihn adoptieren wolle. Aber es seien keine Zeugen da uud auch uichts schriftliches.
Ich brauche nun einen guten Rat, schlvß er, denn auf der einen Seite bin ^ ja ihm — der morgen ankommt — schuldig, daß er sofort Herrn Huitfeldts willen zu wissen bekommt, aber auf der andern Seite ist es häßlich, von so etwas gerade jetzt zn sprechen, jetzt in diesen Tagen, nicht wahr?
Sie hatte die Hand auf die Brust gepreßt; sonst verriet nichts, wie tief sie ^griffe» war. Nuu überlegte sie eine Weile. Lieber, armer Freund! entschlüpfte ^ ihr. Dann sagte sie:
, Ja, wir vermuteten ja alle, daß das mit Ihnen geschehn würde. Aber nnn ^ es ja nichts mehr ans sich damit; ach Gott, für nns alle miteinander, daß er l°rtgehu mußte!
Warum sagen Sie, es habe nnn nichts mehr auf sich — Nielsens Stimme °"r etwas gereizt —, Knud Huitfeldt auf Söhvlm ist doch wohl ein Ehrenmann? , „Ehrenmann?" das ist°wohl viel gesagt, so wie ich das Wort auffasse. — .nd versetzen Sie sich an seine Stelle, so recht in seine Gedanken hinein, als ein »remder hier, bedenken Sie alle Umstände — würden Sie da an seiner Stelle —
ohne weiteres, nur weil einer daherkäme und — i» . augenblicklich! unterbrach Niels sie mit Nachdruck - stockte aber sogleich,
feuiem Innern ganz ratlos. Sie sah ihn niit dem guten mütterlichen Blick an. vett ^ ^cm über alle die Menschen nach, denen er sich möglicherweise an-
^ut haben könnte, aber es ist keiner da, glauben Sie es mir, Glambäk —