Hellenentum und Christentum
577
Dezernenten befähigte, die Bedeutung der entscheidenden Maßnahmen immer klar zn übersehen und sich mit den wirklichen Bedürfnissen des Lebens und mit den ausführenden Behörden seines Ressorts in Übereinstimmung zu halten.
(Fortsetzung folgt)
Hellenentmn und (Lhristentum
8. Libanius
n den zwei Jahrhunderten, die dem Zeitalter Trajnns folgten, entfaltete sich das der Menschheit durch Christus anvertraute Samenkorn zum weltüberschattenden Baum. An dem tonnten die Heiden nicht mehr vorübergehn, als sähen sie ihn nicht, auch sich nicht über sein nnbequemes Dasein mit ein paar spöttischen Bemerkungen hinwegsetzen. In dem Bau der Kirche wurde es offenbar, daß neuer, schöpferischer Geist aus die Erde herniedergestiegen war. Nicht in Worten menschlicher Weisheit hatten ihn die Apostel gebracht, sondern durch thatkräftige Erweisung seines Besitzes. (1. Kor. 2, 4.) Sie hatten den Geist ^'wiesen durch die Erweckuug eiuer unerhörten Begeisterung nnd Opferwilligkeit, durch die Pflanzung inniger Bruderliebe, durch die Stiftung eines Gottesdienstes, ^r, au die Erbauung in den Synagogen anknüpfend aber durch das eucharistische Mahl bereichert, von allen heidnischen Kulten ebenso grundverschieden war wie ^»i jüdischen Tempeldienst, nnd durch eine Gemeindeorganisation, ans der die Hierarchie herauswuchs. Das war etwas ganz neues. Kultgemeinschaften Wucheren ja ueben dem Stnntskult uud deu Killten der Stadtgottheiten 'uassenyast. Aber die christliche Kirche war unendlich mehr als eine örtliche Bereinigung von Mithras- oder Cybeleglänbigen. Sie war um das Jahr 300 ew das ganze Reich durchsetzender wohlgefügter Staat im Staate, dessen Behörden obrigkeitliches Ansehen genossen, sodaß vor ihren Richterstnhl nach 1- Kor. 6 nicht bloß religiöse, sondern anch bürgerliche Streitfragen gebracht wurden, desseu Gemeinden die Sitten ihrer Angehörigen überwachten, wie es im ^ten Rom der Zensor gethan hatte, und planmüßig soziale Aufgaben lösten, die d«n den Staats- und den Stadtbehörden bis dahin nur sozusagen dilettantisch gehandelt worden waren; die Christen organisierten als die ersten in der Welt us Armen-, Kranken- nud Herbergweseu auf verständige Weise: das Kirchen- Vermögen galt amtlich als xatriwoinuin xarixerunr. Die Kaiser des dritten ^hrhunderts wnrden eisersüchtig aus diesen Konkurrenzstaat, denn er schien ja U)re eigne Macht zn bedrohen. '
Aber die Bedrohung lag vielmehr in der politischen Unfähigkeit des Völker- äeunsch^ das ja Chamberlain ziemlich richtig charakterisiert hat. Ein Haufen ^ ^" und eilt Willtürherrscher, das giebt eben keinen lebenskräftigen Staat > das Reich war unrettbar dem Untergange verfallen. Die Kirche hat diesen Hergang weder verschuldet noch beschleunigt, sie ist nur im verfaulenden Leibe ^r°nzboten III 1902 73