Der Evangelische Diakonieverein
>ndlich einmal eine That nach unendlichem Geschwätz! sagten wir I nns, als wir — leider nicht gleich nach dem Erscheinen — das Bnch Frauennot und Frauendienst von Professor Dr. Friedrich Zimmer lasen (Berlin-Zehlendorf, Verlag des Evangelischen lDiakonievereins, 1901). Nicht, daß wir gering achteten, was von Kirchengemeinden, Vereinen, Wohlthätern, Kommunen, Staatsbehörden schon zur Hebnng der mancherlei Frauennöte geschehn ist, aber Zimmer hat mit genialem Blick den Kern aller modernen Fraucnnot erkannt; seine Gründung wird zwar, wie er selbst einsieht, nicht alle Frauenfragen lösen, aber für alle Lösungsversuche vorbildlich sein, und sie hat in der Lösung schon ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet.
Professor Zimmer hatte als Direktor eines Predigerseminars Gelegenheit, Pfarrer über die ungenügende Vorbildung vieler Pfarrfrauen für ihren nicht leichten Beruf klagen zu hören. Der Gedanke beschäftigte ihn viel, wie den Bräuten und auch den Töchtern der meist armen Pfarrer eine bessere Ausbildung gewährt werden könnte, und diesem Gedanken gesellte sich der zweite zu, das; die Pfarrfrau eigentlich die geborne Gemeindediakonisfe sei. Nicht zwar Trägerin der Gemeiudediakonie könne sie sein, aber sie solle und könne die Krankenpflege in der Gemeinde wenigstens überwachen. Dazu gehöre aber heutzutage mehr als die Kunst, das Bett aufzuschütteln und Suppen zu kochen. Und würde das erreicht, so wäre zugleich großes für die evangelische Kirche gethan. „Ist die Pfarrfrau wirklich eine Diakonissin der Gemeinde, so bietet die Ehe der evangelischen Geistlichen etwas, was kein Priesterzölibat ersetzen kann, eine Fülle dienender Liebe, der einzigen Macht, die der evangelischen Kirche ziemt." Damit war ein doppeltes gegeben: Diakonie durch Frauen, und Diakonie an Frauen, das heißt ihre Vorbildung für diesen schönen Beruf.
Der Plan wuchs weit über deu Kreis der Pfarrfrauen und Pfarrerstöchter hinans, aber der Grundgedanke: Diakonie durch Frauen und an Frauen, blieb die Seele des von Zimmer am 11. April 1894 gegründeten Diakonie- dereins. Ihm widmete Zimmer, auf sein liebgewonnenes Amt und auf seine gelehrten Arbeiten verzichtend, fortan seine ganze Kraft ausschließlich. Der Evangelische Diakonieverein stellt sich die Aufgabe: „bernflosen Fraueu durch Erziehung, Berufsbildung und genossenschaftliche Anstellung und Sicherung für ihr Leben Inhalt, Unterhalt und Rückhalt zn gewähren und durch ihre Verwendung in der evangelischen Diakonie diese zu fördern." Die Aufgabe entspringt vier verschiednen Bedürfnissen. Es sind dies: das Bedürfnis der unverheirateten Frauen, durch Beruf und Erwerb sittlich und wirtschaftlich