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Aus unsrer Strafrechtspflege
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UleistsGniskard" und LjedbelsMoloch"

nicht Gesetz geworden. Wohl giebt es noch andre Härten in unserm Straf­gesetzbuch, die sich in der Praxis recht fühlbar machen, wie der Ausschluß einer Geldstrafe bei den Vergehen des erschwerten Hausfriedensbruchs und des Pfandbruchs, aber eine Abänderung dieser Strafbestimmungen ist nicht so dringend.

Ebensowenig ist die gesetzgeberische Neuregelung des Thatbestandes des groben Unfugs und der Frage seiner Anwendbarkeit auf die Presse besonders dringend. Ob sich diese Anwendbarkeit gesetzgeberisch beseitigen läßt, ist eine Frage für sich, die nicht nur in das Gebiet kriminalpolitischer Erwcignngen, sondern auch in das der Gesetzestechnik füllt. Jedenfalls hat aber der That­bestand des groben Unfugs durch die neuste reichsgerichtliche Judikatnr eher eine einschränkende als eine ausdehnende Interpretation erfahren. Das Reichs­gericht hat nämlich in zwei Entscheidungen Band 34 Seite 364 und 425 ausgesprochen, daß der Begriff des groben Unfugs nicht durch jedes beliebige, grob ungebührliche Verhalten, das eine Beunruhigung oder Belästigung des Publikums znr unmittelbaren Folge hat oder haben kann, erfüllt wird, sondern daß dieser Begriff zugleich eine Störung oder Gefährdung des äußern Be­standes der öffentlichen Ordnung erfordert.

Was ich hier vorgetragen habe, sind Ansichten und Wünsche aus der Praxis. Möchte das, was die Praxis für am notwendigsten erachtet, die Ein­führung der Berufung, bald zur That werden.

München Karl Meyer

KleiftsGniskard" und HebbelsMoloch"

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obert Gniskard sollte Goetheden Kranz von der Stirne reißen." Kleist war sich darüber klar, daß er mit dieser Tragödie den Anstieg zum Parnaß auf einer andern Seite als die Klassiker suchte, daß er, der die Jagd nach seinem dramatischen Ideal unter ldem Ausdruckeiner gewissen Entdeckung im Gebiete der Kunst" verbarg, daran war, in sich einen neuen Dichtertypus, man könnte ihn den künstlerischen" nennen, zu entdecken. Kleist sah seine künstlerische Lebensauf­gabe iu der Lösung eines Formproblems, durch die er Deutschlands erster Dichter werden wollte. Ob und wieweit sein Ringen mit dem Gniskard nicht doch einRingen mit dem Stoffe" und nicht nurein Ringen um den Stil" gewesen ist, wird noch zu zeigen sein; jedenfalls ist seine Sehnsucht nicht in Erfüllung gegangen, vielleicht, weil ein Gniskard, wie er ihm vorschwebte, ewig ein Ideal bleiben wird.

Die Abneigung gegen jegliches Theoretisieren des Künstlers in Sachen seiner Kunst hat Kleist seineÄsthetik" nie formulieren lasten: in seiner dich­terischen Praxis steckt seine dichterische Theorie, und insbesondre der Gniskard stellt Kleists tiefste ästhetische These und zugleich ihre Widerlegung dar.