426
Sächsische Schlösser und Burgen
niederzudrücken. Darin besteht ja die große Gefährlichkeit des Ordens, darin und in der Geistesrichtung, die ein gutgläubiger Bischof des siebzehnten Jahrhunderts mit den Worten gekennzeichnet hat: ^Wnit,k«z vownt soolssiam xolitioarri, nou rö1i^io8Äiri. Daß Kraus sein Leben lang dagegen gekämpft hat, sichert ihm eine Bedeutung für die Zukunft und die Sympathie aller, denen an unsrer deutschen Kultur und an dem Bestände des mühsam crrungnen.Deutschen Reiches überhaupt etwas liegt.
sächsische Schlösser und Burgen
n diesem Frühjahr ist eiu illustriertes Werk erschienen: Die interessantesten alten Schlösser, Burgen und Ruinen Sachsens, von Carl von Metzsch-Reichenbach (Dresden, Wilhelm Bänsch, 1902). Einundsicbzig alte sächsische Schlosser, Burgen und Ruinen auf einen Niedersitz zu bewältigen, ist etwas viel. Es ist nnch nicht nnsre Absicht, den Freunden landesgeschichtlicher Kleinkunst das Abessen des ganzen Speisezettels auf einmal zur Pflicht zu machen, obwohl wir das Buch von Anfang bis zum Ende in einem Zuge durchgelesen und dann uns beklagt haben, daß es „schon aus war." Wenn unsre Teilnahme einem auch als Nachschlagebuch brauchbaren Sammelwerke gegenüber so rege blieb, so mag das zwar wohl in erster Reihe daran gelegen haben, daß es Baulichkeiten, Güter, Familien und Verhältnisse bespricht, die wir znm größten Teil kennen, sowie daran, daß die Geschichte des Kurfürstentums uud spätern Königreichs Sachsen nach allen Richtungen hin nn menschlich Dramatischem reich ist, aber dem- unerachtet bleibt es Thatsache, daß die Metzschische Schilderuugsweise der Gruud unsers nicht ermüdenden Wohlgefallens gewesen ist. Der Verfasser — wir nennen ihn kurzweg Metzsch, wie ja bei Schriftstellern der Krug zum Trinken unter Nichtbeachtung vorhandner Henkel und Handhaben jedesmal voll in beide Hände genommen und kurzweg von Schiller uud Goethe gesprochen wird — Metzsch also ist der wahre Chronist, dorn, not umclo, uud dazu hat, so wenig sich das vielleicht mancher hochgebildete Schriftsteller trüumeu läßt, uicht der erste beste das Zeug.
Wenn man als Chronist den Leser nicht ermüden will, mnß man vor allen Dingen kein Pedant sein. Das ist Metzsch offenbar nicht. Es kommt ihm nicht darauf an, uns bei der Schildernng des einen Schlosses etwas mitzuteilen, was mit dem bei der Beschreibung eines andern gesagten nicht, wie man sich auszudrücken pflegt, aufs Haar übereinstimmt, und die Abweichung ficht ihn so wenig an, daß er keine Silbe darüber verliert. Auch verschlägt es ihm nichts, an sich nicht unerhörte oder unglaubliche Thatsachen auf zwei einander folgenden Seiten zu wiederholen, wie wir zum Beispiel auf S. 266 erfahren, daß in dem der Familie von Römer gehörenden Schloß Altschönfels bei Zwickan die Burgkapelle über der Einfahrt liegt, und in der Mitte von deren Fußboden eine Öffnung für die Verteidigung der untern Einfahrt angebracht ist, während auf Seite 267 in etwas ausführlicherer und lebendigerer Weise festgestellt wird, daß über dem Burgthore die in gotischein Stil erbante und verzierte Schloßkirche liegt, in der von dem Prediger des Ritterguts jährlich siebzehnmal Gottesdienst gehalten wird, und in deren Fußboden eine weite viereckige Öffnung angebracht ist, aus der bei einer etwaigen Erstürmung auf den eindringenden Feind siedendes Pech gegossen werden konnte. Wir