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Musikalische Zeitfragen : 3. Der Musikunterricht in der Volksschule und auf den höhern Lehranstalten
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F. X> Kraus und derreligiöse Katholizismus"

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Komponisten, wenn sich die Männer, die an der Spitze von Staat nnd Ge­sellschaft stehn, wenn sich unsre Seelsorger, wenn sich der Erzieher unsrer Jugend nicht mehr um die deutsche Toukunst kümmern, ihr nicht mehr zu folgen vermögeu! Der Gesangunterricht auf den Gymnasien ist eine der wich­tigsten musikalischen Zcitfragen: sie umschließt das Verhältnis zwischen höherer Bildung und Musik. Nur zum Schaden beider Teile kann es gelöst werden, der größere würde aber auf der Seite der Musik entstehn. Die Musikzeitungen sollten darum das Thema vom Gesangunterricht der Gymnasien auf ihrer Tagesordnung festhalte», die Musiker aber die amtliche Kontrolle überall solange nachdrücklich unterstützen und ergänzen, bis die Erfolge dieses Lehrfachs wieder der Vergangenheit der Gymnasien, den Bedürfnissen der Musik und den Ab­sichten der obersten Schulbehörden entsprechen.

MW

F. ^. Kraus und derreligiöse Katholizismus"

von Max Mingenroth

(Schluß)

>rausens stete Hoffnung war, eine spätere, von der jesuitischen Herr­schaft freie Zeit werde das Dogma in seinem und Newmans Sinne verstehn, und dessen heute so häufige Anrufung auf Gebieten, für die es gar nicht bestimmt ist, und der hierdurch aus allem geistigen Schaffen der Katholiken liegende ungeheure Druck werde ! damit aufhören. Als Leo XIII. Newman zum Kardinal machte, schien es, als sei damit diese Erklärung von der berufensten Seite anerkannt worden. Nie hat Kraus aufgehört, über die Zukunft in dieser Hinsicht nach­zudenken, was öfter zn Tage trat. So erzählte er mir noch kurz vor seinem Tode mit bedeutungsvoller Miene eine merkwürdige Thatsache vom Anfange des neunzehnten Jahrhunderts. Als nach dem Sturze des Kaisers Papst und Knrdinalkolleginm die von Pins VI. Napoleon gemachten Zugeständnisse für un- giltig erklären wollten, geschah dies nicht etwa mit der naheliegenden Begrün­dung, daß der Papst damals in seinen Entschlüssen nicht frei gewesen sei, sondern mit dem interessanten Satz: xaros ans 1s x»g,v6 öwit llörstians Äa-ns es Moment!

Kraus hat nach dem Konzil und nach der Trennung Döllinger weiter besucht uud zunächst auch andre Beziehungen nicht abgebrochen. Aber mit der Zeit verschärften sich natürlich die Gegensätze. Von den Ausgetretenen wurde den andern Verrat und ähnliches vorgeworfen, während Kraus und seine Gesinnungsgenossen den Abfall verdammten. Auch aus taktischen Gründen hat er ihn jederzeit beklagt, und er pflegte zu sagen, die auf dem Konzil und vorher noch recht starke Minorität sei dnrch diese Fahnenflucht (seiner An- schnnnng nach) in bedauerlicher Weise geschwächt worden, und es werde somit lange dauern, bis die antijesnitische Partei wieder wirksamen Einfluß in der Kirche ausüben könne. Allmählich steigerte sich in ihm der Groll über diesen Austritt, und so war der sonst wahrhaft liberale Mann in seinen Äußerungen über die Altkathvliken intolerant und ungerecht.

Im Jahre 1872 war er, der sich eiueu guten Namen in der christlicheil Archäologie gemacht hatte, als Professor an die nengegründete Straßbnrger Universität berufen worden. Wertvolle Arbeiten und Erfahrungen fallen in Grenzboten III 1902 S3