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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Litteratur

stcittnng zeugen ebenso von Solidität wie Geschmack. Diese Miniaturausgabe im Liebhabereinband möge nicht nnr als Schmuckstück der Salons dienen, sondern vor allem zu liebevoller Versenkung in des Dichters schönste Gaben auch weitere Kreise anregen. Sie verdient wie die beiden vorher genannten Schriften warme Empfehlung. C>. L.

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Litteratur

Grundriß zum Studium der politischen Ökonomie von Professor Dr. I. Conrad, Halle a. S. Zweiter Teil! Volkswirtschnftspolitik. Dritte, wesentlich erweiterte Auflage.

Jena, Gustav Fischer, 1902

Auch in diesem Bande des ausgezeichneten Werkes, dessen ersten Teil wir im 42. Heft des Jahrgangs 1991 angezeigt haben, erweist sich Conrad durch die vollständige Verwendung, zweckmäßige Gliederung und meisterhafte Darstellnng des gewaltigen Stoffs als vortrefflicher Lehrer und durch sein gesundes Urteil als zu­verlässiger Führer. Der Band behandelt in der Einleitung die volkswirtschaftlichen Aufgaben des Staates, im ersten Abschnitt die Land- und Forstwirtschaft einschließlich des landwirtschaftlichen Kreditwesens, im zweiten die stvffveredelnden Gewerbe (Ge­schichte der Gewerbe, heutige Gewerbeverfassung, Arbeiterfrage), im dritten den Handel, das Verkehrs- und Versicherungswesen, im vierten das Bevölkerungs-, im fünften das Armenwesen. Conrad ist, wie sich das eigentlich bei einem Manne von enehklvpädischem Wissen von selbst versteht, auf kein System eiugeschworen und schlägt darum meistens einen Mittelweg ein. Seine Stellung in einigen brennenden Fragen soll wenigstens cmgedentet werden. Von der den Verwaltungs­behörden eingeräumten Vollmacht, Zwangsinnnngen einzurichten, fürchtet er, daß sie mehr Unheil anrichten als Segen stiften werde. Den Schluß der Zünftler, daß vom Handwerker so gnt eine Prüfung verlangt werden müsse wie vom Beamten, vom Lehrer und vom Apotheker, weist er schlagend zurück. Im zweiten Falle seien Kenntnisse nachzuweisen, von denen das Publikum schlechterdings nicht, die Prüfungskommission aber sehr gut beurteilen könne, in welchem Maße sie vorhanden seien; bei den Handwerkern handle es sich um Leistungen, die das Publikum nicht allein sehr gut beurteilen könne, sondern zudem auch noch meistens ganz anders beurteile, als es eine Prüfungskommission thun würde, indem z. B. ein Schuster, der nur grobe Arbeit machen könne, seinen Kundenkreis befriedige, der Prüfungs­kommission aber wahrscheinlich nicht genügen würde. Von der Sozialdemokratie glaubt Conrad, daß sie den deutschen Arbeitern mehr schade als nütze. Ausstände erklärt er, als das wesentlichste Kampfmittel der Arbeiter, für ein zur Zeit noch notwendiges Übel, er weist den Versuch, ihnen die Berechtigung abzustreiten, ent­schieden zurück, und erklärt die Ansicht für irrig, daß Ausschreitungen allgemein damit verbnnden seien, oder daß sie gar zum Weseu des Streiks gehörten. Die Bedenken gegen das Hochschlitzzollshstem werden sehr ausführlich dargelegt, und vor der Erschwerung der Lebenshaltung der ärmern Bevölkerung durch übermäßige Agrnrzölle wird nachdrücklich gewarnt. In der Vevölkerungsfrage neigt Conrad dem gemäßigten relativen Malthusianismus zu.

Herausgegeben von Johannes Grunow in Leipzig Verlag von Fr. Will,. Grunow in Leipzig Druck von Carl Marquart in Leipzig