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F. F. Rraus und der „religiöse 'Katholizismus"
auch die schmetternden Zukunftsfanfaren des Epilogs, der mit seinem grandiosen — „und so weiter!" eine schier unabsehbare Perspektive eröffnet. Es geht ein großer Zug durch das Gedicht. Sein Held ist der Zweifel nach des Dichters eignem Ansspruch. Allerdings sind die Farben, die schon im „Sa- vonarola" bisweilen grell aufgesetzt wurden, hier uoch schreiender. Willibald Alexis kritisierte nicht unzutreffend: „Gräßliche Bilder mit glüheuden Farben und allem Schmelze der Kunst."
Zu solcher Prophetie hat sich Lenau nicht wieder erhoben. Ehe der „melancholische Sprvsser" ausgesungen hatte, traf ihn der tödliche Schlag. Dennoch ist uns aus seinem Nachlaß noch ein Fragment beschert worden, das man seinen besten lyrischen Epen an die Seite stellen darf: der „Don Juan." Ein Gegenstück zum Faust. Die der Dichtung zu Grunde liegende Idee hat Lenau selbst gesprächsweise formuliert. Der Held wird von dem sehnsüchtigen Verlangen nach einem Weibe regiert, indem er im Individuum die Gattung oder nach des Dichters Äußernng das „inkarniertc Wcibtum" selbst genießen kann. Ein vergebliches Trachten, das ihn zuletzt des Lebens ganze Langeweile empfinden läßt, sodaß er, vom Überdruß übermannt, dem Todfeind Don Pedro die Brust bietet uud sich erstecheu läßt. Das Gedicht ist bisweilen eine dithyrambische Verherrlichung bacchantischen Liebesdrangs. Dennoch bleibt auch der leidenschaftliche Gennßjügcr von den Qualen der Reue nicht verschont, sodnß er einen Ozean durch seine sündige Seele jagen möchte.
Am 22. August 1850 hatte der wahnsiunige Dulder ausgelitten. Ein reiches lyrisches Talent von naturwüchsiger Gestaltungskraft wurde mit ihm zu Grabe getragen. Der Nachrufe trauernder Sangesgenossen schien kein Ende zu sein. Aber auch vom deutschen Volk ist der Dichter Lenau noch treu verehrt und unvergessen:
Die dunkle Tanne blüht nicht hell wie Flieder, Selbst deine Lerchen tragen schwarz Gefieder,
Nur Morgenrot vergoldet ihre Schwingen. (Anast, Grün.)
F. F. Kraus und der „religiöse Katholizismus"
von Max Wingenroth (Fortsetzung)
onsequenterweise mußte Kraus weiter fordern, daß das Monstrum einer politischen „katholischen" Partei aufhöre zu existieren, wie denn eine solche bei der Gründung der „Zentrumsfraktion" noch nicht geplant war; dieser gehörten doch auch Protestanten an. — Nur dann, wenn parteipolitische Gründe nicht mehr im Wege stehn, sei es den Katholiken möglich, sich ehrlich mit der Idee des modernen Rechtsstaats abzufinden und auf die Geltend- machung angeblicher Herrschaftsrechte der Kirche zu verzichten, die allerdings meist nicht offen, sondern versteckt reklamiert werden. Dazu gehört ja vor