Kolonialpädagogik
von L. Aapff in ^vertheiln ani Main
llc großen, auf das Ideale gerichteten Einrichtungen der Völker sind aus praktischen Bedürfnissen hervorgegangen. Dieser Satz gilt vom Staat und von der Kirche, er gilt aber auch von den Bildnngsanstalten, die heutzutage als die vornehmsten Pflegestätten des Idealismus in Deutschland gelten, denn „um des gemeinen Nutzens willen" errichtete man seinerzeit Schnlen, in denen dem lateinischen Unterricht die maßgebende Stelle angewiesen wurde. Wo die clirg, r>60W8itÄ8, die zu allei: wesentlichen Fortschritten in der menschlichen Entwicklung den Anstoß gegeben hat, ihr Machtwort spricht, da haben sich auch immer noch Mittel und Wege gefunden für die Verwirklichung dessen, was geschehen mnß, also eben des als praktisch Erkannten. Heftig wogt in unsern Tagen der Streit der Meinungen über pädagogische Fragen hiu und her, zahllos sind die Vorschläge, die einem gesunden Fortschritt auf dein Gebiete der Jugenderziehung die Bahn weisen wollen. Aber meist fehlt allen diesen Rcformvlänen die unwiderstehliche Triebkraft einer übermächtigen Idee, die ihrerseits aus einer allenthalben mehr oder weniger bewußt cmpfundnen Volks not mit Naturnotwendigkeit emporsprießt. Greisen wir nur ein Beispiel heraus. Je mehr das Anschwellen der Großstädte, die zunehmende Vertunst- lichung aller Lebcnsvcrhältnissc einer gesunden Entwicklung des juugeu Menschen Lnft uud Licht zu rauben drohen, um so lnnter ertönt der Nnf nach Rückkehr zu der Natur gerade für die Lebenszeit, die natürlicher einfacher Lebensbedingungen ganz besonders bedarf. Die Landerziehungsheime und verwandte Erziehungsanstalten verdanken ihr Aufblühn diesen Umständen. Wie aber, wenn es wohl gelingt, die Knaben und die Mädchen für eine Reihe von Jahren von den schädigenden Einflüssen einer der Natur entfremdeten Kultur abzuschließen und sie hygienisch musterhaft heranzuziehen, diese aber hernach doch in das moderne Leben hinaustreten müssen, dessen ganzer Arbcitsbetrieb mit seiner weitgehenden Spezialisierung und Mechanisierung wie sein gesellschaftlicher Zwang ein volles Sichausleben der Persönlichkeit immer mehr unmöglich machen? Je freier sich zuvor in den glücklichen Tagen der Kindheit eine Individualität entfalten dnrste, um so schmerzlicher wird sie nunmehr jeden Druck der einseitig auf die Erhaltung der Gattung gerichteten Gesellschaftsordnung empfinden, je günstiger die Bedingungen für das leibliche Gedeihen der Einzelnen früher lagen, um so widerwilliger wird der zum Eigenmcnschcn herangebildete sich zur Anpassung an die oft die Gesundheit schädigenden Anforderungen der Berufsarbeit oder an die Herdcnvergnüguugen der herkömm-