Beitrag 
Aus dem Lande der Cypressen
Seite
318
Einzelbild herunterladen
 

318

Uiels Glambäk

Unten am Vatikan hielten die Droschken und verlangten von den heimkehrenden Pilgern die doppelte Taxe. Denn erstens war Sonntag, nnd zweitens müssen doch Pilger in guter Stimmung sein. Dann fuhr man durch die belebten Straßen und über den Korso, auf dem die Läden geöffnet waren. Die Sonntagsheiligung ist in den Augen der Italiener etwas höchst überflüssiges und auch unpraktisches. Wer sich nur gut mit Gott uud den lieben Heiligen steht, sie oft anrnft und da­durch zeigt, daß er an sie denkt, der darf am Sonntag schon seinen Geschäften nachgehn.

Mein Kutscher, der mich nach Hause fuhr, setzte mir seine Gedanken über die Sonntagsheiligung in einem Gemisch von Italienisch und Französisch aus­einander. Er hatte schon oft Pilger nach und von dem Vatikan gefahren, und man merkte ihm an, daß er der Sache erhaben gegenüberstand; aber er war doch ein guter Christ und glaubte an das Bambino und die heilige Jungfrau von San Agostino, von der er mir Wunderdinge erzählte. Ich mußte bei ihm einen Fünflireschein wechseln; er gab mir heraus, was mir zukam, und fnhr mit liebens­würdigem Gruße davon. Nachher entdeckte ich, daß er mich trotz seiner Frömmig­keit mit einem falschen Lire beschwindelt hatte.

(Fortsetzung folgt)

Niels Glambäk

Wie er ein Mann wurde von K. G. Bröndsted Zweiter Teil 1

!» einem der kleinen Tische vor dem Cafö in Kopenhagen, das im Volksmund den Namendas Parapluie" hat, saßen an einem Juli­vormittag zwei Studenten in den Zwanzigern und hielten zusammen ^Siesta. Der eine war vierschrötig, robust, von Heller Gesichts- ! färbe und dem Aussehen nach etwas träge. Sein Anzug schien ihm, I obgleich er aus teuerm Stoff und von flottem Schnitt war, nicht recht zu sitzen, so sehr er auch selbst davon überzeugt zu sein schien; das runde, fleischige Gesicht, dem einen blasierten Ausdruck zu geben er sich Mühe gab, deutete eigentlich auf einen wohlhabenden Hofbauernsohn oder dergleichen. Sein Gefährte dagegen war klein, bleich, hatte scharfe Züge und einen unruhigen Ausdruck; sein Anzug war aus schwarzem Tuch, aber etwas abgeschabt. Neben dem andern nahm er sich merkwürdig zusammengesunken aus, und während jener mit Behagen sein Glas Bier schlürfte und sich den Zigarrenrauch um den Schnurrbart ziehn ließ, nippte dieser vorsichtig an einer Tasse Kaffee. Der Kellner schien jedoch allen beiden die Auf­merksamkeit in gleichem Maß zu erweisen, die er bekannten Personen zu teil werden ließ, denn der eine war der Ministersohn Peder Pedersen, dessen Vater einer der Bauern war, die bei demSystemwechsel" in den Rat des Königs berufen worden waren; der andre trug den Namen Louis Pio Glambäk nnd war der Sohn des gefürchteten und mächtigen sozialistischen Redakteurs.

Es ist Humbug, gab der Munstersohn auf eine längere Darlegung Louis Pios zur Antwort. Es ist Humbug ich sehe es ja an Vater und den andern. Humbug? Ist Konsequenz Humbng? fragte Louis Pio mit stillem Ärger. Du mit deiner Konsequenz! Nein, das Leben selbst, mein Freund, das prak-