308
Ein altes Altonaer Stammbuch
höher stehe und bei gleicher Hingabe eine schwere Last von Arbeit, dazu eine weit schwerere Last von pekuniärer Sorge trage. Und wenn er aus dem oben angegebnen Grunde für Bestand der Orden eintrat, so fand er doch, daß „das ewige Rufen unsrer Zentrumspresse nach Kapuzinern u. s. f. eine wahre Beleidigung unsers Weltklerus in sich schließe." „Es sei ein völliges Verkennen der Lage, wenn man sich vorstelle, dem Ordensklerus könne und werde in der Gegenwart, und soweit wir sie zu beurteilen vermögen, in der Zukunft je wieder die führende Rolle zufallen, wie sie einst der Benediktinerorden, die Kluniazenser im elften, die Dominikaner und Franziskaner im dreizehnten, die Jesuiten im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert gehabt haben." „Alle menschlichen Dinge leben sich einmal aus, nnd auch die Orden sind — mit Verlaub der Jesuiten möge es gesagt sein — eine menschliche Einrichtung; sie sind als solche an den Kreislauf alles irdischen Lebens gebunden. Sie haben ihren Höhepunkt gehabt, aber sie werden nie mehr zu demselben zurückkehren. Es muß der Zukunft überlassen bleiben, ob sich andre Gestaltungen bilden werdeu, welche veränderten Zeiten uud ueuen Bedürfnissen entsprechen." (Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1895 Nr. 175.)
(Fortsetzung folgt)
Gin altes Altonaer Stammbuch
>us einem Nachlaß ist kürzlich dem Altonaer Museum ein kleiner Schatz zugegangen, der vielleicht verdient, auch weitern Kreisen bekannt zu werden: zwei unscheinbare Stammbücher, Erinnernngs- blütter, die ein Student während seiner Studienzeit 1768 bis 1771 lund später von seinen Lehrern und seinen Freunden gesammelt hat. Heinrich Wilhelm Lawütz, so hieß der „liebenswürdige Herr Besitzer" der Stammbücher, war 1748 in Rendsburg geboren; sein Vater war ein königlicher Beamter in angesehener Stellung, seine Mutter, eine gebvrne Otte, stammte aus einem kunstsinnigen Hause. Im sechzehnten Jahre kam er nach Altona auf das akademische Gymnasium, das damals noch ein Mittelding zwischen Gymnasium und Universität war. Hier genoß er im Hause des Professors Henrici drei Jahre lang anregenden und bildenden Verkehr. Von 1767 bis 1771 studierte er auf den Universitäten Leipzig und Kiel Jnrisprudenz und Philosophie, war später iu Altona Justizrat, Direktor des Leihinstituts und vor allein Mitbegründer des bedeutenden, noch heute segensreich wirkenden Untersttttznngsinstituts.
Als Schriftsteller hat er sich durch seine geistlichen Oden und Lieder, durch Lustspiele, eine Bibliographie nnd sonstige Arbeiten an Encyklopädien und Zeitschriften der Mitwelt wohl bekannt gemacht, denn viele damals geistig