292 Deutsch - amerikanische Freundschaft und ihre Grundbedingung
die Notwendigkeit trüben lassen, die Frage, ob und wie weit, rein privatwirtschaftlich betrachtet, unsre Landwirte zu teuer produzieren, gründlich und scharf zu untersuchen. Professor Adolf Mayer sagt in seiner Düngerlehre: „Zu untersuchen, wann eine Düngung eine rentable ist, heißt untersuchen, erstens, unter welchen Umständen sie eiuen Mehrertrag bewirkt, und zweitens, unter welchen Umständen dieser Mehrertrag ein rentabler ist." So ist nicht nur die Düngerfrage zu behandeln, sondern die ganze Produktionskostenfrage uud damit die Jntensitätsfrage überhaupt. Die Getreidezollfrage soll damit nichts zu thun haben. Die Erhöhung der Getreidezölle, die die Verbündeten Negierungen für notwendig erklärt haben, darf niemals dazu führen, unsre Landwirte in einer Betriebsweise zu erhalten, die zwar einen Mehrertrag verheißt, aber einen „unrentabeln" Mehrertrag.
Deutsch-amerikanische Freundschaft und ihre Grundbedingung
er Burenkrieg ist zu Ende. Damit scheint die heißersehnte Konsolidation der englischen Macht in Südafrika erreicht nnd ihre Vorherrschaft auf dem ganzen Kontinente, wenn auch nach schweren Opfern, vorläufig gesichert. Das ist wichtig; wichtiger vielleicht noch, daß England, durch seine kriegerischen Operationen während
der letzten Jahre gelähmt, jetzt seine volle Bewegungsfreiheit wieder erlangt hat. Wie immer sich jedoch auch seine Pläne auf dem Gebiete der auswärtigen Politik gestalten mögen, es wird dabei mit einer Thatsache zu rechnen haben, die es beim Eintritt in die neue Phase als ein tmt ^ovonixli vorfindet. Ich meine die politische Annäherung Deutschlands an die Vereinigten Staaten, die allen Quertreibereien zum Trotz, von der deutschen Diplomatie meisterhaft eingeleitet, durch die jüngst erfolgte Prinzcureise definitiv vollzogen worden ist.
Die schnelle Niederwerfung Spaniens durch die Vereinigten Staaten mag viele in Erstaunen gesetzt haben. Kein Zweifel, daß sie die Perspektiven, unter denen man den Sieger bisher zu betrachten gewohnt war, total veränderte. Eine neue Weltmacht war auf den Plan getreten, zu der man Stellung nehmen mußte. Daß Deutschland, vielleicht nach einigem Schwanken, dann aber ohne jede Empfindlichkeit die Freundschaft wählte, war keineswegs die einzig mögliche, ja eine für den Fernerstehenden sogar^ überraschende, für den Eingeweihten die nach Lage der Dinge einzig richtige Entscheidung.
Eingeengt durch das angelsächsische Kolonialreich und den ins Ungemessene ausgreifenden slawischen Koloß mit seinem französischen Bundesgenossen, war das emporstrebende Jungdeutschland in einer zwar nicht gerade beneidenswerten, aber doch vergleichsweise gesicherten Lage. Gewiß war die oft betonte Ver-