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Maßgebliches und Unmaßgebliches
thun sollte. Ich habe ein weiches Gemüt, ich bin nicht konsequent, ich kann es nicht. Aber — er erhob die Stimme zu tragischem Klang — wenn ich sehe, daß die armen Lebenden den Gipfel des Lebens erreicht haben, die entsetzliche Kulmination, das unvermeidliche Stadium, das wir früher oder später alle erreichen müssen, o, dann bin ich barmherzig, dann schenke ich sie Pcm — ja, mein Herr, Sie wissen doch wohl, was ich meine?
Nein, antwortete Niels erschüttert.
Haha, ich dachte es mir. Sie sind gerade so wie die andern. Die Knlnii- nation des Lebens, das Unvermeidliche für uns alle, das ist der Wahnsinn! Ich sah ihn in Tonnys Augen heute morgen, er war wahnsinnig, er hatte diese Kulmination des Leidens erreicht, sein Blick bettelte um die Wohlthat. Ja, meiu Herr, ich habe heute drei Wohlthaten erwiesen: einem Kaninchen, einer Taube und nun diesem Tonny. Aber er weiß es nicht. Er ist nicht daheim. — Schlaf in Frieden, ruhe aus vou alledem.
Niels war dem Wahnsinn noch nie in dieser Gestalt begegnet, er wich zurück, er eilte die Allee hinunter.
Das hätte er nun nicht nötig gehabt; der Wahnsinnige blieb stehn und betrachtete den toten Tonny mit weicher Zärtlichkeit, zog dann eine Flöte heraus uud blies wehmütig darauf. Die Töne klangen hinter Niels, ferner und immer ferner, durch die stillen Gänge des Parks, offenbar war es das Ritual nach der vollendeten „Wohlthat," eine Hhmne für Pan nach dem Opfer.
Klatsch. Es ist in den Grenzboten wiederholt auf die Versuche hingewiesen worden, die von der uuter konservativer Flagge segelnden „Fronde" seit Jahren immer wieder gemacht werden, deni deutschen Volke das Vertrauen zum Kaiser zu rauben, oder wo es schon gestört ist, nicht wieder aufkommen zu lassen. In den „Hamburger Nachrichten," die sich darin immer hervorgethan haben, ist neuerdings wieder — augenscheinlich durch einen ihrer zahlreichen, den obern Gesellschafts- und Beamtenkreisen nahestehenden Hintermiinner — ein Versuch in dieser Nichtuug gemacht worden, der ganz besonders geeignet ist, den politischen und moralischen Charakter dieses Treibens zn zeigen. Der vielleicht überflüssige, jedenfalls ganz harmlose Reporterbericht von der scherzhaften Äußerung des Kaisers zu Krefelder Damen über die Verlegung einer Garnison nach Krefeld wird in einem dem Blatte angeblich „von freikonservativer Seite aus Berlin" eingesandte» Artikel zu dem bezeichneten Zweck in nichtsnutziger Weise klatschhast ausgebeutet.
Die Krefelder Vorgänge selbst sind in der Tagespresse genügend aufgeklärt worden. Die Stadtverwaltung hat sich seit längerer Zeit bemüht, für Krefeld Garnison zu erhalten, und soll sich bereit erklärt haben, bedeutende Geldmittel für die dazu nötigen Einrichtungen zu opfern. Krefeld ist die einzige deutsche Großstadt, die keine Volksvermehruug aufzuweisen hat, während in andern rheinischen Industriestädten eine rapide Bevölkerungszunahme die Schaffung und Erhaltung ausreichender Garnisoneinrichtungm, wie Kasernen und Exerzier- und Schießplätze, immer schwieriger und kostspieliger macht. Jedenfalls liegen die Verhältnisse so, daß die Verlegung eines Teils der Düsseldorfer Garnison nach Krefeld wahrscheinlich ebenso den Wünschen der Krefelder wie den Interessen des Militärfiskus und der Armee entsprechen würde, und es Wäre nichts weniger als auffällig, wenn sie, wie verlautet, schon langst von der Militärverwaltung beschlossen sein sollte. Und was macht trotzdem der Mitarbeiter der „Hamburger Nachrichten" aus der Krefelder Geschichte!
Die „Krefelder Husarengeschichte," schreibt er, werde an sich wohl keine prak-
Maßgebliches und Unmaßgebliches