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Auf der Ziegelei
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Markus wurde von einer sehnsüchtigen Zärtlichkeit ergriffen. Er lief ans den Steinhaufen zu und zog den Stock heraus. Eine Spinne hatte die ganze Krücke umwoben. Markus blies und putzte, bis kein graues Fndcheu mehr daran hing. Dann hielt er den blanken reinen Stock in der Hand und lachte.

Das unkluge Frauensmensch ans der Ziegelei!

Ehe noch die Sonne so hoch stand wie die Eichbäume, war er drüben hinter der Haferkoppel am .Kreuzweg. All seine Unruhe war hin. Langsam und zufrieden wanderte er am Noer entlang. Und als er bei der Ziegelei ankam, hatte er Karen ganz vergessen, dachte nur noch an seine Papiere, und dann fiel ihm der Schuster drüben iu Kattlund ein, der noch Geld für einmal Besohlen zu kriegen hatte.

Diese ncnen Sohlen die würden keine gnten Tage haben!

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Familiengeschichte. Dem AufsatzAlteAkten nnd Ortsgeschichte" (Grcnzboten 1901, Nr. 15) mögen hier ein paar Worte über Familiengeschichte folgen.

Wer war Ihr Urgroßvater?" Diese Frage habe ich im Laufe der letzten zwanzig Jahre vielen meiner Bekannten gestellt. Die Antwort lautete in den meisten Fällen, das; man über den Großvater hinaus nichts von der Familiengeschichte wisse; dabei wurde nieist diese Unkenntnis sehr bedauert, zuweilen auch erwähnt, daß man sich schon Mühe gegeben habe, etwas von den Voreltern zu erfahren, leider ohne nennenswerten Erfolg. Thatsache ist, daß die meisten Familien bürger­lichen Standes ihre Familiengeschichte nur bis zu deu Großeltern zurück kennen, also genau so weit, wie die persönliche Eriunerung reicht, nnd im natürlichen Lanf der Dinge die Personen leibhaftig vor Angen zu stehn pflegen. Was dahinter liegt, versinkt in nächtliches Dnnkel. Nun lernen wir aber in der Grammatik, daß es uicht bloß ein Präsens, Jmperfettnm und Perfektum giebt, sondern mich ein Plusquamperfektum. Der Kulturmensch, der sich hochmütig-bescheiden gern als Geschichtstier" bezeichnet, der so stolz ist auf die Geschichte seines Landes und Volkes, sollte aber auch etwas Interesse für seine eigne persönliche Geschichte übrig haben, denn es ist schließlich doch für jeden Menschen, nicht nur für Fürsten und Aristokraten, wissenswert, wie der Stamm aussieht, an dem man selbst im Augen­blick einen der jüngsten Triebe darstellt. Man braucht gewiß keinem chinesischen Ahncnkultus zu huldigen, aber etwas mehr Familiensinn könnte unserm breiten Mittelstände nicht schaden, mag anch der daraus fließende Gewinn nicht nach Mark nnd Pfeuuigen zn berechnen sein. Der Adel hat seinen Stammbanm nnd führt ihn sorgfältig weiter, obwohl heute der Nachweis einer tadellosen Ahneureihe an prak­tischer Bedeutung viel eingebüßt hat; er thut Wohl darau, denn das Vorhandensein eines durch Jahrhunderte getreulich fortgeführten Stnmmbaums giebt der Familie Halt und sichert ihr den im Zeitalter des Verkehrs doppelt gefährdeten Zusammenhang, innerlich und äußerlich. Bekannt ist, daß im altromischcn Hause die politischen Grund­sätze der Ahnen von den Nachkommen jahrhundertelang festgehalten wurden, nnd die Thaten und Ehrenämter der Väter Gegenstand eines förmlichen Kulms waren. Bei den Juden war die Führung der Geschlechtsregister religiöse Pflicht. Auch unserm deutsche» Bürgerstande war vormals ein starker Familiensinn eigen; er ist aber iu neurer Zeit leider bedenklich abgeblaßt. Wo sind heute die Familienfeste, bei denen jedes Mitglied des Hanfes (Hans" im weitesten Sinne genommen) sich seiner Familienzugehörigkeit mit Stolz bewußt würde? Wo sind die Familien-