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Die Kriminalität und ihre Bekämpfung durch die Strafe
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Ghrhard

ja im Grunde kongruente Sätze, denn sobald jemand beim gewerbsmäßigen Verbrechertum angelangt ist, kann man von ihm mit Fug und Recht sagen, daß sein moralischer Untergang so gut wie besiegelt ist.

(Schluß folgt)

Ghrhard

m 41. Heft des Jahrgangs 1899 der Greuzboten haben wir dem Neformkatholizismus ein schlechtes Prognostikon gestellt. Der im Nu berühmt gewordne Wiener Theologieprofessor hat jedoch mehr Aussicht auf Erfolg als der dort erwähnte Philosophie- Professor Joseph Müller; erstens, weil er nicht so verbittert und scharf wie dieser kritisiert uud sich streng innerhalb der von den Dogmen seiner Kirche gezognen Grenzen hält, nnch sein sehr gründliches Buch den richtigen Answeg aus der schwierigen Lage ganz deutlich zeigt; zweitens, weil der Sturm gegen den Klerikalismus, der in den letzten beiden Jahren in Frank­reich, Spanien und Österreich getobt hat, die gebildeten Katholiken mehr und mehr überzeugt, es müsse etwas geschehn, wenn nicht, die offnen Feinde zu versöhnen, so doch der wachsenden Abwendung der Gläubigen von der Kirche Einhalt zu thuu. Was Der Katholizismus uud das zwanzigste Jahr­hundert für Österreich bedeutet, hat ein Wiener Mitarbeiter der Grenzboten kurz dargelegt. Mich interessiert an dem Buche mehr, daß es ein Produkt der allgemeinen religiösen Gärung unsrer Zeit, und daß sein Geist dem meinen verwandt ist. Aber natürlich liegt zwischen uns eine vorläufig nicht überbrückbare Kluft, weil ja Ehrhard an der Orthodoxie seiner Kirche festhält; uud ich will uun aphoristisch au einigen Beispielen zeigen eine gründliche Auseinandersetzung würde ein Buch erfordern, wie dieser prinzipielle Gegen­satz die beiderseitige Beantwortung der Zeitfragen beeinflußt.

Unsre Verwandtschaft besteht im Verständnis für den positiven Gehalt des Katholizismus und im historischen Sinn. Zwischen beiden besteht ein enger Zusammenhang, denn es gehört eben mit zum historischen Sinne, daß er den Kern der historischen Begebenheiten und Erscheinungen zu erfassen vermag. Ehrhards Buch ist historisch angelegt. Nach einem Überblick über die Lage seiner Kirche inmitten ihrer Feinde erzählt er kurz die ganze Kirchen- geschichtc und zeigt, welche Wandlungen die Kirche, ohne ihre Idee und ihre Aufgaben preiszugeben, im Laufe der Jahrhunderte durchgemachthat, wie ihre jedesmalige Gestalt ein Produkt geschichtlicher Verhältnisse gewesen ist, uud wie aus diesen Verhältnissen die UnVollkommenheiten und Verschulduugeu, die mau ihr mit Recht vorwerfen darf, erklärt werden müssen. So z. B. die In­quisition aus der mittelalterlichen Verflechtung des Staats mit der Kirche,