Beitrag 
Das Deutschtum in Elsaß-Lothringen
Seite
1
Einzelbild herunterladen
 

«

Das Deutschtum in Elsaß-Lothringen

nter diesem Titel hat der Reichsgerichtsrat a. D. Dr. Julius Petersen vor kurzem ein interessautes Buch veröffentlicht München, Lehmanns Verlag). Der als juristischer Schriftsteller und national- liberaler Politiker wohlbekannte Verfasser beginnt mit einem histo­rischen Überblick über die wechselvollen Geschicke des Reichslands von der ersten Besetzung durch die Germaneu bis zur Gegenwart. Vom Jahre 1870 ab wird die Darstellung breiter und ausführlicher. Die Zustande des Landes zur Zeit der Annexion und die Einrichtung der deutschen Verwaltung werden eingehend besprochen; die verschiednen Verwaltnngssysteme, die von Möller, Manteuffel, Hohenlohe I und II, werden nacheinander erörtert. Be­sondres Interesse bietet die Schilderung der Ära Manteuffel, die der Verfasser in seiner frühern Stellung als reichsländischer Richter aus nächster Nähe hat kennen lernen. Für die meisten Leser neu wird eiu vom Verfasser mitgeteilter Brief Mnntenffels an den Bischof Dupvnt des Loges in Metz sein. Dieser Brief ist so würdelos, daß man die größten Zweifel an seiner Echtheit haben müßte, wenn ein andrer deutscher General oder Staatsmann als Bricfschreiber in Frage käme.

Auf den historischen Überblick folgt eine Schilderung der jetzigen Zustände im Neichslande. Die Stellung der katholischen Geistlichkeit, die zum großen Teil als deutschfeindlich bezeichnet wird, der Partikularismus der Eingebornen, Begriff und Bedeutung der Notabeln, sowie die Tragweite des inzwischen be­seitigten Diktaturparagraphen werden eingehend erörtert. Hervorheben wollen nur, daß der Verfasser, der als juristische Autorität ein unbestrittues Ansehen genießt, die laudcsübliche Auslegung des Diktatnrparagrapheu für unrichtig erklärt. Nach Ansicht des Verfassers gewährte der Dittnturparagraph dem Statthalter nicht alle Rechte der Staatsgewalt, sondern nur die Befugnis, alle gesetzlich erlaubten Verwaltungshandlnngen vorzunehmen.

Gegenüber den Bestrebungen, die auf volle Gleichstellung Elsaß-Lothringens ,mit den deutschen Vnndesstaaten gerichtet sind, vertritt der Verfasser den Stand­punkt, daß man in der Einrichtung eines Neichslands nicht eine Zurücksetzung der elsaß-lothringischcn Bevölkerung, sondern ein „vertrauensvolles Entgegen- Grenzboten III 1902 1