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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Wer lieber Herr Direktor, sagte die Frau Professor, lassen Sie uns davon schweigen. Das ist längst vorüber, und meinem Sohne ist es nicht zum Schaden gediehen. ,
Das freut mich, erwiderte der Direktor, obwohl damit nicht gesagt sein soll — er warf einen seiner alten Schnlblicke ans seinen Siegfried —, daß es zum Fortkommen im Leben nützlich ist, nt, tiinck» mit dem Indikativ zu konstruieren.
Nun kam zu Tage, daß dieser Unglückssiegfried zn nichts zu brauchen gewesen war, woran sich die Bitte schloß, ob nicht Wandrer für ihn irgend einen Posten, es sei, was es sei, in Heinrichshall habe. Frau Professor flüsterte ihrem Sohne zn, er möchte doch ja etwas für den Direktor thun, und Wandrer versprach dem Direktor, seine Bitte zn erfüllen, es werde sich schon etwas finden. —
Und was ist aus Doktor Dnttmüller geworden?
Nach dein Tode von Alice hatten Duttmüller und Blume einige ernste Unterredungen. Es ist nicht recht bekannt geworden, um was es sich gehandelt hat. Man sagte, Duttmüllcr habe sich Zeugnisse bezahlen lassen, die nicht genan der Wahrheit entsprochen hätten. Jedenfalls hat der Ehrenrat der Ärzte damit zu thun gehabt. Darauf zog Duttmüllcr von Hvlzweißig weg und besetzte sich in Braunfels. Aber es ging mit der Praxis auch iu Brannfels nicht. Die Morphiumspritze soll daran schuld gewesen sein. Jetzt ist er in das Geschäft von Göckcl eingetreten und Bierbrauer geworden. Er spielt mit den Braunfelser Philistern des Abends Skat, uud nächstens wird er doch noch seine Laura heiraten. Und die alte Duttmüllern stopft wieder Strümpfe, denn sie kann sich nicht entschließen, sich mit Göckcls anszusöhnen.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Sozialistisches und Soziales. An dem Umban des Marxismus wird rüstig weiter gearbeitet. Dr. Alfred Nossig giebt sbei vr. John Edelheim, Berlin und Bern, 1961) eine Revision des Sozialismus heraus^ Der vorliegende erste Teil des ersten Bandes ist „Das System des Sozialismus" betitelt, enthält aber der Hauptsache nach eine Geschichte der Volkswirtschaft in zwei Teilen, deren zweiter die gegenwärtige kapitalistische Organisation beschreibt. Der Verfasser erkennt die Größe Marxens an, sagt aber mit Bernstein, was jener geleistet habe/ das habe er nicht durch seine hegelsche Dialektik, sondern trotz ihrer geleistet. An den sozial- demokratischen Autoren, Marx uud Lassälle eingeschlossen, tadelt er den Pamphlet- artigen, agitatorischen Ton, die heftigen Ausfälle gegen ihre theoretischen Gegner und das Gewitzel über den „Herrn Professor." Politisch möge die Partei fortbesteht,, aber die Wissenschaft dürfe nicht Parteisache sein, uud könue es nicht bleiben, wenn der Sozialismns seine Aufgabe erfüllen solle, der Besserung der sozialen Zustände als Triebkraft zu dienen. Die Irrtümer, zu denen sich Marx durch sein dialektisches Spiel mit Gegensätzen hat verleiten lassen, lehnt Nossig in dem Satze ab: „Es ist nicht wahr, daß der Fortschritt auf allen Gebieten zur Konzentration der Güter führt, und noch weniger wahr, daß er kollektives Eigentum verlangt; es ist nicht wahr, daß die kollektivistische Organisation sich plötzlich und unaufhaltsam Bahn brechen, und noch viel weniger wahr, daß sie die Menschheit dauernd beglücken wird." Nossig bekennt, daß er den wahren Sozialismns nicht bei seinen modernen Vertretern, sondern in der Bibel") und bei den alten Klassikern gefunden habe. Wie die kirchliche Reformation, so müsse die Revision der sozialen Religion ans den Urtext
*) In einem Leitartikel der Frankfurter Zeitung, dessen Verfasser schon das ganze Werk kennt, lesen mir, daß Nossig Zionist sein soll. ,