Maßgebliches und Unmaßgebliches
Bolze es versuchte, aus dein Tumult nufzutaucheu, er knin nicht über den vierzehnten Juui hinaus. Und so blieb ihm nichts übrig, als seine Rede speziell bei dem Herrn Schulzen abzuladen. Und der Herr Schulze war so gütig, zuzuhören.
Dies war das Ende der Tote-Asse-und so Weiter-Gesellschaft. Ihr Tag ging feucht zu Ende und roch nach Punsch. Fritze Harkort aber sagte zu seinem Nachbar: August, wenn wir damals Karpfeukuxe gekauft hätten und hätten die Finger von den Heinrichshallern davon gelassen, dann wären wir kluge Leute gewesen.
Uud Nachbar August ließ den Kopf häugen und sagte gar nichts.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Kulturfrageu. Unter allen Kulturfortschritten ist der Fortschritt in der Reinlichkeit der, dessen Wert am wenigsten angezweifelt werden kann. Reinlichkeit ist aber ein wesentlicher Bestandteil der Hhgiene, und diese verdanken wir der medizinischen Wissenschaft. Wieviel Zweifeln auch gewisse moderne Theorien über die Krankheitsursachen ausgesetzt seiu mögen, und so heftig die Vertreter der verschiedneu Heilmethoden einander bekämpfen mögen, daß die Medizin im neunzehnten Jahrhundert einen gewaltigen und höchst segensreichen Fortschritt gemacht hat, läßt sich nicht bestreiten. Dieser Ansicht ist auch Troels-Lund, der ein sehr interessantes Buch über Gesundheit nnd Krankheit in der Anschauung alter Zeiten geschrieben hat (vom Verfasser durchgesehene Übersetzung von Leo Bloch, mit dem Bildnis des Verfassers, Leipzig, B. G. Teubner, 1901). Er entwickelt die Vorstellungen der Ägypter, der Leiter der griechischen Tempclheilstätten, des Hippokrates, des Asklepiades, des Galenus, der Araber, der mittelalterlichen Kirche von Gesundheit und Krankheit und verweilt dann beim sechzehnten Jahrhundert, von dem er ein hübsches Charakterbild entwirst, das nicht bloß für die Medizin zutrifft. Die Auffassungen aller vorhergehende» Periode« waren hier, und zwar nicht in abgeblaßten, sondern in stärker ausgeprägten Formen zu einer Musterkarte vereinigt. Der Glaube dieses Jahrhunderts „au das direkte Eingreifen Gottes war innerlicher und selbstverständlicher als bei irgend einem Naturvolk. Seine Begeisterung für griechische Heilkunde war glühender und siegessicherer sogar als in der Zeit des Hippokrates. Die kühnsten Rezepte des Avieenna und Averroes schienen einfach und leicht verständlich. Mittelalterlicher als das Mittelalter selbst glanbte man diese Welt ganz und gar dem Gutdünken des Teufels überlassen, sodaß die kleinen Teufelcheu sheute nennt man sie Bazillenj zahlreicher als Staubkörnchen herumwimmelten. Und zugleich pflegte man das Natnrstudium mit begeistertem zuversichtlichem Glauben, der weder Schranken duldete uoch eiuem Widerstande wich, sondern eine Verbindung ahnte zwischen den Wegen der Sterne, dem Wesen des Menschen, dem verachteten Krcmt und dem Saft in der Retorte, der nicht zu Golde werden wollte. Alle Zeitalter sind hier versammelt, nicht in verkrüppelten, sondern in Prachtexemplaren." In Faust hat sich der ungestüme und unersättliche, der grübelnde und himmelstürmende, der vielgestaltige Geist dieses gewaltigen Jahrhunderts poetisch personifiziert. Von den drei Grundursachen, auf die das ausgehende Mittelalter die Krankheiten zurückführte: Gott, dem Teufel, den Gestirnen, war es die dritte, die auf langen Irrwegen ins Naturstudinm hineinführte und zuletzt den Kausalzusammenhang erschloß, der in kühnen Hypothesen, z. B. in der von den Beziehungen der die Temperamente konstituierenden Körperflüssigkeiten zu den Planeten, vorweggenommen wurde, ehe man die einzelnen Kausalkettcn aufgedeckt und ihre Glieder erforscht hatte. Der Verfasser hat diese Bedeutung der Astrologie schon in dem Buche: Himmelsbild uud Weltanschauung im Wandel der