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Hellenentum und Christentum : 6. Dio von Prusa :
(Schluß)
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Individualismus

so zahlreich waren, daß die Göttertempcl anfingen zu veröden. Für den Philosophen waren sie eben, als eine zu unbedeutende Erscheinung, gar nicht vorhanden. Die Bedeutung Jesu, dessen Göttlichkeit sich vorerst nur dem Glauben der wenigen Auserwiihltcn offenbarte, konnten die Wirkungen seiner wunder­baren Persönlichkeit dem Geiste der Denkeuden erst im Laufe der Jahrhunderte, der Jahrtausende in stetig wachsendem Maße enthüllen.

Individualismus

von L. Trampe (Schluß)

ahrer Individualismus ist allein die ideale Befähigung, der als ethisches Muß empfundne seelische Drang bei jedem Einzelnen, im allerpersönlichsten Innenleben aufzugchn, in ihm und seinen seelischen und geistigen Kräften und Größen das Maß aller Dinge zu sucheu und zu finden. Welchen Menschen aber ist solche Art zu sein als typisches Volkstum gegeben? Nur den Germanen, vor allem ihrem Kernstamm, den Deutschen. Ihnen ist der Quell alles Empfindens und Denkens die tiefbewegte Brust, die eigne Seele, das eigne innere. Alles Anempfinden und Nachdenken nach äußcrm Anstoße, fremdem Einflüsse ist ihnen zuwider, ist ihnen nichts. Ihnen ist notwendig, dem lhnen eingebornen Verlangen nach Selbstbestimmung, nach selbsteigner Ge­staltung jedes Menschenseins unbeschränkt Raum zu geben. Ihr Sonder- dermögen zu bewähren, es bewähren zu können, ist ihnen Ur- und Gründ­etet?, ist ihnen Bedingung des Seins. Nur vvn sich und ihrem innersten Wesen aus stellen sie sich zu allem anßer ihnen, und ihr Lebensodem ist es, bei ihrem Herantreteu an die Außenwelt lediglich sich selber, ihre allerpersön- Kchste Eigentümlichkeit als Maß aller Dinge zu nehmeil und demgemäß zu handeln. Die Nomantiker, die doch sicher ein feines Gefühl für deutsche Seelen­stimmung und deutsche Geistesströmung hatten, haben dieselbe Gedankenreihe in dem Satze zusammengefaßt, das Heil persönlicher Eigentümlichkeit (d. i. des Individualismns) hänge am Deutschtum. Und der große Kündiger deutschen Seelendrangs, Goethe, hat derselben Grundanschauung von der Wesensgleich­heit des Deutschtums und des Individualismus einmal sehr drastisch und ganz tuapp und klar Ausdruck gegeben, da, wo er von dem Neuerbltthen deutscher Kunst in Sturm und Drang unter dem Eiudrucke der Thaten Friedrichs spricht, und wo er, uachdem er ausgeführt hat, daß man dabei alles that, von dem König bemerkt zu werden, eben so entschieden wie selbstbewußt erklärt,aber ^cm thats auf deutsche Weise, nach innerer Überzeugung." Das sind nur Worte. Wohl sind es Seelenoffenbarungen, aber doch nur solche, die Worte geblieben sind. Mögen sie anch einem noch so urdeutscheu, tiefinnerlichen Antrieb entsprungen sein, und mögen sie noch so zwingend Widerhall im deutschen