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Maßgebliches und Unmaßgebliches
als unverletzlich ansah? — Da kannst du dich dranf verlassen, sagte die alte Duttmüllern, das ist niemand anders als der Luribams gewesen!
Sie konnte wohl Recht haben. Alois Duttmüller aber war von diesem Tage an verschwunden.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Darwinistisches. Dr. Wilhelm Breitenbach hat in einem Vortrage kurz nnd klar dargestellt, was von Linne angefangen jeder einzelne Gelehrte zum Aufbau der Wissenschaft der Biologie beigetragen hat. Der Vortrag ist unter dem Titel: Die Biologie im neunzehnten Jahrhundert als zweites Heft der vom Verfasser im eignen Verlag (Odenkirchen, 1901) herausgegebuen dnrwimstischen Vortrüge und Abhandlungen erschienen. — Im ersten Heft dieser von Haeckel laut seinem vorgedruckten Briefe sehr beifällig aufgenommnen Sammlung stellt Professor Dr. L. Plate nnter dem Titel: Die Abstammungslehre (mit 8 Abbildungen) zusammen, was die Paläontologie, die „Unmöglichkeit einer Artdefinitivn" jsollte es wirklich uumöglich sein, das Aguus Iwwo saxisns von den „übrigen Tieren" zu unterscheiden?^, die Embryologie, die vergleichende Anatomie, die Physiologie und die Geographie an Beweismaterial für die Descendenzlehre liefern. — Beiden übrigens brauchbaren Schriftchen ist vorzuwerfen, daß sie die seit einigen Jahren im Darwinismus eingetretue Krisis nicht erwähnen. In diese läßt uns der Würzburger Professor vr. Remigins Stölzle sehen, dessen Werk über Karl Ernst von Baer wir seinerzeit angezeigt haben, in dem Buche: A. von Köllikers Stellung zur Descendenzlehre. Ein Beitrag zur Geschichte moderner Naturphilosophie. (Münster i. W., Aschendorff, 1901.) Der Anatmn Kölliler bekennt sich zwar mit der überwiegenden Mehrheit der heutigen Naturforscher zur Entwicklungslehre, lehnt aber die Ansicht Darwins ab, daß sich die Arten durch Anpassung an äußere Verhältnisse in uumerk- lichen kontinuierlichen Veränderungen gebildet haben. Er nimmt eine innere Ursache an, die nach einem Plane auf dem Wege sprunghafter Veränderungen die ver- schiednen Arten erzeugt. Er lehnt anch Weismanns Theorie ab und bestreitet besonders, daß es von den vergänglichen Körperzellen verschleime „unsterbliche" Keimzellen gebe, in denen Weismann bekanntlich die Träger der Vererbung sieht. Kölliker erklärt übrigens Nußbaum für den eigentlichen Vater dieser Theorie. Ein andrer Biolog, O. Hartwig, meint sogar, Theorien wie die Weismannsche von der Kontinuität des Keimplasmas bedeuteten eigentlich den Verzicht auf Erklärung. Stölzle seinerseits schreibt: die Welt und das Leben ohne Gott erklären wollen, das heiße die Welt aus nichts stellen und auf Erklärung verzichten. Er stimmt Carl Jentsch bei, der in der Schrift „Sozialauslese" gesagt hat, die anhaltende Beschäftigung mit Einzelheiten schwäche die Fähigkeit, den Zusammenhang der Dinge im großen wahrzunehmen. Stölzle erinnert daran, daß das Schopenhauer etwas unhöflicher ausgedrückt hat. Da er die Stellen, auf die er hinweist (Ausgabe von Grisebach 11. 207 und 111, 182). nicht abdruckt, wollen wir es thun. „Wir sehen heutzutage die Schale der Natur auf das genauste durchforscht, die Jntestina der Jntestinalwürmer und das Ungeziefer des Ungeziefers haarklein gelaunt: kommt aber einer, wie z. B. ich, und redet vom Kern der Natur, so höre» sie nicht hin, denken eben, es gehöre nicht zur Sache und klanben an ihren Schalen weiter. Jene überaus mikroskopischen und mikrologischen Naturforscher findet man sich versucht, die Topfgucker der Natur zu nennen. . . . Gewissen Herren vom Tiegel und der Netorte muß beigebracht werden, daß bloße Chemie wohl zum Apotheker, aber nicht zum Philosophen befähigt." — Wenn der Kirchenhistoriker Friedrich Nippold ein Kollegiales Sendschreiben au Ernst Haeckel richtet (Berlin, C. A. Schwetschkc u. Sohn, 1901) und einen Abdruck seiner Antrittsrede vom 10. Mai 1884