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Drei Wiener Kunstbriefe
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Inszenierung

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da. Das thun wir bereitwillig da, wv solche Fragmente eines Ganzen aus dem Helldunkel bis zur erkennbaren Deutlichkeit emporsteigen, wie so häufig in Gemälden oder auf graphischen Blättern. Dort nehmen wir die Erscheinung zweier von Natur nicht aneinandergewachsener Körperteile anstandslos als Zeichen für die Anwesenheit oder Annäherung, für das Sichtbarwerden des ganzen Wesens hin, zumal da, wo es nur auf die Träger des Ausdrucks ankommt, und das Übrige nichts weiter zu schaffen hat. Aber ein Bildhauer, der plastisch denkende .Künstler, wird sogar im Relief eine solche Kombination verschmähen, weil an ihr sein bestes fehlt: der organische Zusammenhang des Gewächses, dessen Schönheit ihm über alles geht. Es kam darauf an, dies zu betonen; denn es offenbart, daß an dieser Stelle ein Übertritt der schöpferischen Phantasie des Künstlers aus dem einen Gebiet auf das andre stattgefunden hat, nämlich aus der klaren und konsequenten Anschaulichkeit der Körperwelt und ihrem dauernden Bestände in die unbestimmtere und transitorische Erscheinungswelt des Malers, oder gar die noch veränderlichere verschwimmende Auffassung der auch mit Andeutungen und Abbreviaturen aller Art sich verquickenden Zeichnung, die ihrerseits so unvermerkt aus dem freien Spiel der anschaulichen Phantasie in das unsichtbare Reich der geistigen Vorstellung hinübergleitet.

Damit sind wir im vollen Zngc der sonstigen Zuthaten, die Klinger herbeigezogen hat, um die Bedeutung seiner Gestalt dem Geiste des Betrachters weiter zn vermitteln.

(Schluß folgt)

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Inszenierung

ch habe vor Jahr und Tag in einer großen deutschen Prollinzstadt einer Aufführung des Weberschen Oberem beigewohnt, von der mir eine schreckliche Erinnerung geblieben ist, nicht weil das Orchester, die mitwirkenden ersten Kräfte oder die Chöre ungenießbar gewesen wären, sondern weil der Gesamteindruck der Vorstellung infolge der schlechten Inszenierung so ganz unter aller Würde wnr, daß ich diese alsstockgemein" bezeichnen würde, wenn der Ausdruck nicht auf eine lieblose Absicht schließen lassen könnte, die mir durchaus fern liegt. Wenig Abende später wurden in demselben Theater drei Lustspiele gegeben, deren Wiedergabe mir einen vortrefflichen Eindruck gemacht hat. Der große Abstand, den ich hierbei zwischen den Leistungen gnter Künstler ans ein und derselben Bühne wahrgenommen habe, hat mich von neuem davon überzeugt, wie wenig Recht die haben, die sich bemühen, uns die Inszenierung als etwas Nebensächliches, mit dem Wesen der Kunst nicht Zusammenhängendes darzustellen.

Ich gehe bei der allgemeinen Würdigung des Theaterbesuchs von der bescheidnen Annahme ans, daß er eine Zerstreuung ist. nnd daß man von dem gebotnen Genusse leine Wunder, sondern die Befriedigung der uns allen gemeinsamen Hor- nnd Schaulust auf einer Stufe erwarten soll, unter die der Geschmack des gebildeten Durchschnittspnbliknms herabzngchn verbietet. Mit diesem Standpunkt werden sich