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Über den Begriff des Dämonischen bei Goethe
zieht sich, wie man sieht, doch die allmähliche Befreiung der ganzen bosnischen Bauernschaft. Was aber deren Erziehung zu modernen Landwirten anlangt, so werden dem etwas josephinischen Verfahren der Regierung eiuzelne Härten wohl nicht fehlen; ebenso mögen solche bei der Einführung der Geldwirtschaft an Stelle der Naturalwirtschaft mit untergelanfen sein, und auch die Festlegung der Besitzverhültnisse mag solche mit sich geführt haben. Aber wenn man auch an der amtlichen Darstellung die durch die Kritik gebotnen Abzüge nnd Zusätze macht, so bleibt doch noch Ruhm genug für die österreichische Landesregierung. Die Einwendungen, die Niknschinowitsch gegen sie erhoben hat, wird sie mit Vorteil im einzelnen selber prüfen, um aus ihnen Nutzen zu ziehn, so feindselig auch die Gesinnung ist, aus der dieses Pamphlet gegen die leitenden Leute, Herrn von Kallay und Kntschera, hervorgegangen ist. Das Gesamturteil, das Nikaschinowitsch über die bosnisch-herzegowinischc Landes- rcgiernng füllt, erweist sich aber an der Hand der vorliegenden Akten als gänzlich verfehlt. Wenn anch spät und langsam sucht mau hier das zn verwirkliche!?, was der ruhmvolle erste Organisator dieses österreichischen Neulandes, Herzog Wilhelm von Württemberg, gefordert hat; nnd wenn er heute wieder in das Land käme, das er im Unmnt verlassen nnd bis zn seinem Tode nicht mehr gesehen hat, würde er gewiß mit Genugthuung anerkennen, das; Osterreich wenigstens auf einem guten Wege ist zur Lösung der hier übcr- nommnen Knlturciufgabc. Ihre Lösnng wäre aber nicht nnr ein örtlicher Erfolg des Kaiserstaates, sondern würde seinem Einfluß auf der ganzen Ballan- halbiusel in einem hohen Grade zu gute kommen, worüber sich niemand mehr freuen würde als das gesamte deutsche Volk.
Basel L. Ad. Fetz er
Über den Begriff des Dämonischen bei Goethe
von Heinrich von Schoelcr (Schluß)
in 24. März desselben Jahres spricht Goethe das entscheidende, zusammenfassende Wort: „Je höher ein Mensch, desto mehr steht er unter dem Einfluß des Dämonischen, und er muß nur immer aufpassen, daß sein leitender Wille nicht auf Abwege gerate."
Wir gelangen damit zum zweiten Punkte der Goethischen Weseus- bestimmung des Dämonischen: nämlich daß es in den Personen als mächtiger Naturinstinkt wirke. ,,Das Dämonische wirft sich gern in bedeutende Individuen, erklärt er am 8. Mürz 1831, vorzüglich, wenu sie eine hohe Stellung haben, wie Friedrich und Peter der Große." „Auch wählt es sich meist etwas dunkle Zeiten: in einer klaren, prosaischen Stadt wie Berlin fände es keine Gelegenheit, sich zn manifestieren" (30. März 1830). Und am 6. Dezember 1829, in einem Gespräch über den zweiten Teil des Fanst, entwickelt er eine eigentümliche Theorie über das Erscheinen des Dämonischen in den Personen.