Beitrag 
Über den Begriff des Dämonischen bei Goethe
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

Der Feind

325

Szene 1) die aus diesen, ganzen fatalistischen Jdeenkreise gezogne Bilanz sehen: Was geschehn soll, es wird geschehn! In ganz gemeinen Dingen hängt viel von Wahl und Wolleu ab; aber das höchste, was uns begegnet, kommt wer weiß woher?"

Wie Variationen über das Heraklitische ^Lox «vA^?rc,) 6«/^»- muten uus die nachfolgenden Äußerungen des Altmeisters an:Des Menschen Ver­finsterungen und Erleuchtungen macheu sein Schicksal, Es thäte uns not, daß der Dämon uus täglich am Gängelbande führte uud uns sagte nnd triebe, was immer zn thun sei. Aber der gute Geist verlaßt uns, und wir sind schlaff und tappen im Dunkeln. . , . Im übrigen ist der Mensch ein dunkles Wesen, er weiß nicht, woher er kommt, noch wohin er geht, er weiß wenig von der Welt und am wenigsten von sich selber!"

Es ist sicherlich wohlgethan, solchen höhern Einwirkuugen uachzugcben, meint Eckermann, denn das Dämonische scheint so mächtiger Natnr zu sein, daß es am Ende doch Recht behält!"

Allein, Goethe erwidert unerwartet:Nur muß der Meusch auch wiederum gegen das Dämonische Recht zn behalten suchen." Und schon im April 1829 hatte er auf eine ähnliche Äußerimg Eckermanns, daß man vor allen Dingen darauf zu achten habe, ob ein Einfluß hinderlich oder förderlich, ob unsrer Natur augemessen oder ihr zuwider sei, geantwortet:Das ist es freilich, worauf es ankommt; aber das ist auch das Schwere: daß unsre bessere Natur sich kräftig durchhalte uud dem Dämon nicht mehr Gewalt einräume, als billig."

(Schluß folgt)

^ ^SAMG^ÄM

Der Kind

MMM

WM

M

! orsichtige Leute nennen, feine kennen ihn nicht. Die christliche Kirche hat uns über seine Gewohnheiten und Listen überraschende Aufschlüsse gegeben, und in Kreisen, die dem von ihr ausströmenden Lichte mehr oder weniger fernstehn, ist über denVater der Lüge" manches gesagt und geschrieben worden, was mehr schlechten Geschmack uud ! verderbte Phantasie verrät, als es Sachkenntnis uud einsichtiges Urteil beweist. Dagegen giebt es sehr nette Leute, für die Beelzebub überhaupt nicht vorhanden ist. So versicherte uus ein Herr, den wir in dieser Angelegenheit um seine Meinung fragten, ohne jedes Besinne», daß es überhaupt keiueu Teufel gebe, uud daß das Übel, das wir in der Welt wcihrnnhmen, nur fadcuscheiuig uud schadhaft qcwordnes Gutes sei, ähnlich wie die schönsten Kleider im Wege der Ab­nutzung von einer Stufe zur andern herabsinken, bis sie schließlich dem Lumpen­sammler in die Hände fallen. Da mm doch das Fadenscheinig- und Schndhaft- werden auch eiu Übel ist, das uicht in eine vollkommne Welt paßt, so hat die Versicherung unsers Gewährsmanns keinen großeu Eindruck auf uns gemacht, und die Art, wie er das Vorhandensein des Bösen in der Welt erklärt, hat uns nicht befriedigt. Er ist Naturphilosoph und Autodidakt, er hat weder Kant noch Spinoza gelesen.' auch Plato und Aristoteles sind ihm fremd. Da ihm die eigne Überzeugung