Maßgebliches und Unmaßgebliches
285
Eigentlich sollte ich es, da Sie unser zartes Verhältnis an die Öffentlichkeit gebracht haben. Aber fühlen Sie sich denn nicht verpflichtet, der Sozialdemokratie entgegenzutreten?
In Volksversammlungen? Nein. Ich halte solche Klopffechtereien für ganz überflüssig. Was sich jetzt vorbereitet, das ist ein Kampf um die Macht. Solche Kämpfe werden nicht mit Worten ausgefochteu, sondern mit Kräften. Dazu brauchen wir also keiue Reduer, sondern Männer, die mit ihrer Person für ihre Sache eintreten. Wenn einer in mein Haus eindringen will, nm es zu plündern, wird es nicht viel helfen, mit ihm durchs Feuster zu verhandeln und ihm die Heiligkeit des Besitzstandes auseinander zu scheu; man muß selbst in die Thür treten, die Rockärmel aufstreifen und sagen: Na, nun komm einmal her. Ich wünschte nur, daß unser Direktor der Mann dazu wäre!
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Man soll nicht rnppelköpfisch sein. Ein Von den Grenzbvten in deren 14. Heft gebrachter, die Räuber überschriebner Artikel hat, wie das vorzukommen pflegt und auch ganz in der Ordnung ist, zweierlei Beurteilung erfahren, beifällige und tadelnde. Bei einem Wortgefecht das letzte Wort zu haben ist schön, das ist unter cmderm auch durch das Märtyrertum der bekannten Bauernfrau bewieseu worden, die ihren Mann einen Länseknicker genannt hatte, von ihm in den Brunneneimer gesetzt und langsam Zoll für Zoll ius Wasser gelassen worden war mit dem Zurufe, wenn sie revoziere, werde der Eimer wieder in die Hohe geleiert werden. Dessen ungeachtet hatte die Frau, die eine Hartgesottne war, fortgefahren, ihren Mann einen Länseknicker zu nennen, und als sie soweit eingetaucht war, daß sie das nicht mehr hatte thun könne«, weil ihr das Wasser über dem Kopf zusammenschlug, hatte sie die Arme aus dem kalten Naß emporgehoben und die letzte ihr verbleibende Lebenskraft dazu verwandt, mit den Daumennägeln die Geste des Länse- knickens zu skizzieren.
Vielleicht könnte jemand denken, daß es dem Verfasser des halb kalt, halb warm, halb süß, halb sauer behandelten Artikels darum zu thuu sei, Recht zu behalten und das letzte Wort zu haben, und daß es das sei, was ihn veranlaßte, nochmals aus dem Kasten emporzuschnellen: aber das wäre ein Irrtum; ich möchte vielmehr die Diskussion zu allseitigem Nutzen in möglichst sachlicher Weise noch einmal aufnehmen, und es wird jedem klar werden, daß es mir nicht darum zn thun ist, Recht zu behalten, sondern daß ich vielmehr den Kontradizenten alles einzuräumen bereit bin, was ich ihnen mit gutem Gewisse» einräumen zu könueu glaube.
Über das eigeutliche Thema, die Fahrt des studentischen Thespiskarrens nach Paris, brauche ich nichts mehr zu sagen: die Sache ist fürs erste -ttl OÄEQäü« Ls,aeoÄL aufgeschoben worden, und man scheint allerseits der Meinung zu sein, daß es vorsichtiger, klüger und würdevoller war, unsre Musensöhne keinem ungewissen Schicksale auszusetzen. Die unsrer Warnung beigegebnen Motive und beiläufig gethanen Bemerkungen sind es, die zu Ausstellungen veranlaßt haben. Was ich über die deutsche Presse, oder richtiger über einen Teil davon gesagt habe, hat Anstoß erregt, und die von mir behauptete feindselige Stimmung des französischen Volkes gegen das deutsche ist bestrittcn oder aus andern Gründen als den von mir angegebnen hergeleitet worden.