Maßgebliches und Unmaßgebliches
627
du die nehmen würdest, hätte ich dich beinahe nicht gehalten. Du gewinnst mit ihr ein wahres Kleinod.
Hm! ja. Ich sehe in der That keine Veranlassung, meine Wahl zu bereuen.
Aber Louis, was hast du sür steifleinene Hosen an. (Duttmüller sah auf seine Beinkleider, die zwar die vorgeschriebne Bügelfalte hatten, aber durchaus "icht von Leinwand waren.) Redest du wie ein glücklicher Bräutigam? Macht das der vornehme Umgang?
Hm! ja. Die Verhältnisse haben sich geändert. Man ist in andre Sphären eingetreten und muß sich dem entsprechend benehmen. Übrigens bin ich gekommen, dich zu meiner Hochzeit einzuladen.
Mich? Sieh mal, das ist nett von dir.
Du möchtest, läßt dir die gnädige Frcm sagen, für gnädiges Fräulein Ellen als Brautführer fungieren.
Oh! Was für eine Ehre! Und die häuft mau auf mein unwürdiges Haupt? Da ist gewiß der eigentliche Brautführer abhanden gekommen.
Hm! ja — nein — das heißt —
Du brauchst nicht verlegen zu werden. Ich bin nicht so abgeschmackt, zu glauben, daß die Welt ganz expreß auf mein Erscheinen wartet. Auch bin ich nicht so dumm, mich bei Tisch nicht au einen Platz setzen zu wollen, auf dem eigentlich ein andrer fitzen sollte. Ich komme, und ich komme gern. Ich möchte doch einen alten Freund wie dich mit unter die Haube bringen helfen und deine Braut, von der ich viel gutes gehört habe, kennen lernen. Aber nun komm! Wir stehn schon viel zu lange ans dem Pflaster. Da ich mein eignes Zelt noch nicht aufgeschlagen habe, so werde ich dich in unserm Kasino empfangen.
Als Doktor Duttmüller nach einer Stunde wieder abzog, war er aufgeräumter, "ls er sonst zu sein Pflegte.
Überbringe deiner gnädigen Frau meinen Dank, rief ihm Wandrer nach, und 'ch würde nicht verfehlen, mich ihr morgen früh vorzustellen.
Vorstellen? Die Sache war Duttmüller nicht geläufig, er verlor sie aus dem ^uge und vergaß sie. Nachmittags fuhr Wandrer nach Braunfels, um sich hochzeitlich einzurichten.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Ernsthafte Betrachtungen über Menschentum und Herrenrecht Mensch ist nach dem deutschen Wörterbuch von Heyne die Bezeichnung der höchsten Gattung der Erdbewohner. Das Wort hängt vermittelst einer verbürgten Etymologie, die' man in Kluge. Panl und Heyne nachschlagen kann, auf dem Umwege „Mann" (man darf also nicht bloß unter ..Mensch" nachsehen!) mit dem indogermanischen Stamme wM, d. i. „denken" („mahnen") zusammen. Danach wäre die Grundbedentung Von „Mann," sagt Klnge in seinem etymologlichen Wörterbuch, „denkendes Wesen," aber, setzt er hinzu, als sicher dürfe man die,cs Etymon nicht gelten lassen. Mir kommt das auch so vor. Ich will gar nicht Kluges weitere Erwägungen verfolgen, die schließlich darauf aufmerksam machen. d"ß sich der vedische Inder in der That als x-^u ^ „Vieh" bezeichnet habe, was allerdings auf einen starken Grad von bewußtem Untermenschentum schließen laßt; ich will nur bemerke», daß ich meiner Frau gewöhnlich — wenigstens in '"einem Herzen; äußerlich weiß ich meine Stellung zu wahren — in, Denken den richtigen Verstand zusprechen muß. Allerdings steckt nach Maßgabe des noch