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Chile und Argentinien : ein geographisch-politisches Problem
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August Reichlüisxorgor

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Die Entwicklung der Dinge um die Südtordillere dürfte demnach früher oder später eine interessante Rolle auf dem politischen Theater zn spielen be­rufen sein. Die Streitfrage an sich bietet ein fesselndes Problem; die beiden Partner sind zudem Staaten, die sich einer lebhaften Beachtung bei dem euro­päischen Bank-, Industrie- und Handelskapital erfreuen, uud denen gewisse weltwirtschaftliche Funktionen in der Rohstoff- und Nahrnngsmittelversorgung der alten Kulturländer zufallen. Vor allem aber werden, wenn England seine Politische Vermittlung ernsthaft zu betreiben gesonnen sein sollte, die Vereinigten Staaten dies wahrscheinlich nicht rnhig mit ansehen, vielmehr die Gelegenheit wahrnehmen, die jüngst von ihnen beliebte Auslegung der Monroedoktrin: »Ganz Amerika den Nordamerikanern" das heißt Ausschluß jeder europäischen Einmischung in nord- und südamerikanische Angelegenheiten mit Nachdruck aufs neue geltend zu machen. Aus der Abwicklung der alsdann mit Not­wendigkeit eintretenden Jnteressentonflikte dürften sich für die südamerikanische wie für die gesamte Weltpolitik uicht unwichtige Lehren ergeben, vielleicht noch wichtigere als aus dem gegenwärtigen Zwischenfall in Venezuela.

Südamerika darf uns nicht mehr ganzHekuba" sein.

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August Reichensperger

n dem hohen Alter von 87 Jahren starb 1895 in Köln August Reichensperger. Ob es hente noch viele sind, die eine lebendige Erinnerung haben an den Einfluß, den derKölner Appellrat" einst in der Konfliktszeit als Mitglied der zweiten Kammer hatte, der er zuerst von 1851 bis 1863 angehörte? Später, zur Zeit des Kulturkampfes, als er zum zweitenmal im Abgeordnetenhanse und eben­falls im Reichstage saß (bis 1885) und persönlich nicht weniger leistete, trat ^ in der Popularität schon zurück, namentlich hinter diekleine Exzellenz," die alle Eigenschaften dazu hatte, andern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

dauerhaftesten und jedenfalls für uns alle am erfreulichsten wird sein Ruhm alsGotiker" sein. Der Spott, den er dafür einst auf sich nehmen wußte, ist längst verstummt und vergessen, aber der vollendete Kölner Dom und Hunderte von neugebauten oder restaurierten Kirchen sind unvergängliche Zeugnisse seiner Verdienste nm die Wiederbelebung der alten deutschen Kunst. Als Kirchenpolitiker und Zentrnmsführcr verfolgte er Ziele, denen unsre Art ^on nationaler Empfindung widerstreben muß, und daß ihn die Seinen den "deutschen Montalcmbert" nannten, scheint uns ein zweifelhafter Ruhm. Lieber wollen wir ihu als den deutschen Ruskin ansehen; er war nicht so geistreich, aber klarer nnd praktischer als sein jüngerer englischer Zeitgenosse. Die dank­bare Aufgabe, ein so inhaltvolles, an tausend Punkten mit der großen Zeit­geschichte verknüpftes Lebe» zn schildern, hat Professor Ludwig Pastor in Jnns-