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Mein Tuskulanum
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Mein Tuskulanum

von Heinrich Vruse

lloo srÄt in votis. tlvns hast du erreicht, wenn du im entlegensten Winkel Dich zum Besitzer und Herrn einer Lacerte gemacht. Ja, Juveual hat Recht, drum hab ich ein Gärtcheu erworben

Und ein Häuschen darin, besser ein Haus Wohl genannt, Stattlich beiuahe zu schaun, das auf hohen und luftigen Kellern, Alle gefallig gewölbt, fest ist und trocken erbaut. Raum ist drunten genug im obstaufschüttenden Herbste Für Vorräte und Wein, sauber vom Fasse gezapft. Gegen den Süden gewandt ist das Haus, und Reben und Pfirsich

Ranken zum oberen Stock schon mit den Zweigen hiuauf. Zwar mir fehlt ein murmelnder Quell, doch fehlt nicht ein Bruuuen,

Klares und köstliches Naß immer zu spenden bereit. Auch ein Wäldchen ist da, sogar ein herrlicher Hochwald,

Wenige Schritte, so gehn wir in dem Schatten des Harris.'^) Sich Tuskulanum zu nenueu, getrauet sich kaum mein Besitztum,

Denn wer pergliche sich euch, Tuskulums reizenden Hohn? Ringsum blaut das Tyrrhenische Meer uud blitzt in der Souue,

Uud wie ein silbernes Band schlingt sich die Brandung herum. Manch ein Fittich von blendendem Weiß taucht auf in deu Lüften,

Manch ein Segel belebt schimmernd die Fläche des Meers. Endlos schweifet der Blick an den schön geschwungenen Küsten,

Denn sie liebten den Ort, welcher die Gegend beherrscht, Sagten die Römer, und schauten hinab auf die Länder von oben;

Rvmas Herrschergeist zeigte sich selbst im Geschmack. Wendest du aber zur Seite den Blick, so siehst du den Tiber,

Siehest die Zierde der Welt leuchten, die ewige Stadt. Schauest aus Albas Höhn uud hin aufs Sabinergebirge,

Und wo das Meer und die Luft fließen zusammen, da strahlt Noch ein schöneres Blau, der gepriesne italische Himmel,

Welcher mit heiterem Glanz lachend die Erde verklärt. Ja, was pergliche sich dem? Doch warum stets durch Vergleiche

Stören den reinen Genuß des, was die Stunde nns gönnt? Reizend ist auch die Kette der Hügel im bläulichen Dufte

Bis zur Pforte, woraus strömet die Weser hervor Und am Dome von Minden vorüber in eiligem Laufe

Rauscht in die Ebne hinab, die bis zum Meere sich dehnt. Oft durchstreift ich die Berge der Weser in fröhlicher Jugend Und das Cheruskergebiet, thaten- und sagenberühmt.

Das Idyll, das die folgenden Seiten bringen, ist uns aus dem Nachlaß des am 12. Januar dieses Jahres verstorbnen Dichters und ehemaligen Chefs der Kölnischen Zeitung zur Verfügung gestellt worden. Wir hoffen seinen Freunden und Verehrern eine Freude damit zu machen, daß mir es hier mitteilen.

*) Der Harrl ist ein sich zwischen Bückeburg und dem Bade Eilsen hinziehender, m« herrlichem Buchenwalde bedeckter Ausläufer der Weserberge.

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