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Über Thünens isolierten Staat mit einer Anwendung auf die Wirklichkeit
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Über Thünens isolierten 5>taat mit einer Anwendung auf die Wirklichkeit

ie Welt der Wirklichkeit ist unendlich im Raum, unendlich in der Zeit, uud die unendliche Mannigfaltigkeit aller möglichen Einzclfülle und Ereignisse scheint der Berechnung des Menschen­geistes zu spotten. Wenn das Menschenauge deu Sternenhimmel übersieht, so erblickt es eine Unzahl von Lichtern in regelloser Anordnnng durcheinander geworfen. Wenu es mit dein Mikroskop bewaffnet w die Welt des Kleinen taucht, so scheint ihm, je mehr es eindringt, diese Welt nur um so tiefer, mannigfaltiger und unendlicher zu werden.

Auch die Welt der Menschenleben ist unendlich. Unausrechenbar die Zahl aller möglichen Kombinationen, ein Chaos, das, nachdem die Menschenphantasie Ordnung darin gemacht zu haben glaubt, aus sich heraus immer von neuem unübersehbare Unordnung gebiert. Aber der Menschengeist hat den sehnsüchtigen Willen, dieses unendliche Durcheinander zu ordnen, zu berechnen und mit seiner Ordnung zu beherrschen. Wie das überhaupt möglich ist, davon hat uns Kant das Geheimnis verraten: Indem die Welt der Erscheinungen in den Menschengeist eintritt, ordnet sie sich nach transzendenten Gesetzen des Raumes, der Zeit und Kausalität und wird meßbar, im voraus berechenbar, konstrnierbnr, ^'Perimenticrbar. Der Astronom sagt zu dem Stern: In neun Jahren wirst du genau auf dieser Stelle stehn. Der Bakteriologe weiß von seinen Bakterien: Wenn dieser Celsiusthermometer auf 100 Grad stehn wird, so werdet ihr sterben. Die Zahl bewältigt alles. Mit ihr gelingt es auch die Mannig­faltigkeit der Erscheinungen des Menschenlebens zu meistern, z. B. die der wirtschaftlichen Beziehungen. Aufgabe dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, in Welcher ihm eiqentiimlichen Weise ein geistvoller Mann diese Aufgabe an­gegriffen hat.

Johann Heinrich von Thünen*) war Rittergutsbesitzer in Mecklenburg. Er machte seine ersten Veröffentlichungen im Jahre 1826 und starb im Jahre 1851.

") Thüncn, Der isolierte Staat. Dritte Auflage, 1875, Grenzbote» I 1902

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