Beitrag 
Vom ehemaligen Königreich Hannover. 1
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

344

Die österreichische Staatskrise

Einzelheiten an, z. B. nicht darauf, ob wirklich der weltbekannte ehemalige preußische Assessor Oskar Mediug (seit Ende 1859) überall da seine Hand gehabt hätte, wo Hassell die Spuren seiner beweglichen Finger zu seheil glaubt. Wichtiger wäre, daß Hassell selbst gerade durch seine eigne Zeichnung des Charakterbilds des letzten Königs von Hannover es uns nicht glaublich ge­macht hat, Georg V. würde es über sich gewonnen haben, dnrch kleinere Zu­geständnisse, solange es noch Zeit war, den letzten großen Verlust von sich abzuwenden. Es handelt sich ja eben um die ganze Auffassung, über die wir uns bei der Anzeige des ersten Teils deutlich genng ausgesprochen haben. Hassell macht kein Hehl daraus, daß er mit Haß und Liebe geschrieben hat. Sollen wir ihn darob schulmeistern: er sei kein wissenschaftlicher Historiker? Wir Hütten ganz gewiß nicht gewagt, nnsre Leser mit solchem Anlauf von seinem Buche zu unterhalten, wenn wir es nicht für sehr interessant hielten, und während man, wie wir bemerkten, von dem Werke Meiers sagen konnte, daß es gewissermaßen nach den Ereignissen oder ein wenig zu spät gekommen sei, giebt dein Buche vou Hassell seine parteipolitische Tendenz geradezu ein aktuelles Interesse, das ihm die Teilnahme seiner engern Landsleute sichern muß. Da wir uns aber bei unserm grundsätzlich verschicdnen Standpnnkt in der deutschen Frage anch über die preußisch-hannvversche uicht mit ihm ver­ständigen könnten, so wenden wir nns lieber seiner Behandlung der speziell hanuoverscheu Dinge zu, wobei wir zugleich das Meiersche Buch berücksichtigen werden.

Die österreichische ^taatskrise

von Julius Patzelt (Wien) (Schluß)

ie unbelehrbaren Freunde der Dezemberverfassung hatten der Krone schon vor Jahr und Tag als letztes Mittel, die Staats­krise zu beschwören, fortgesetzte Auflösung des Abgeordneten­hauses empfohlen. Die letzten allgemeinen Neichsratswcchlen ermutigen nicht zur Fortsetzung dieser Politik. Überdies lehrt

die Erfahrung, daß fortgesetzte Wahlen die Teilnahme an der Wahl mindern, sodaß zum Schluß in der Regel die kleinen radikalen Minoritäten als Sieger den Platz behaupten. Von sozialdemokrntischer Seite wird wiederum die Ein­führung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts als Universalmittel empfohlen, angeblich weil dadurch das soziale Interesse im Abgeordnetenhause in den Vordergrund treten und die nationalen Streitfragen in den Hintergrnnd drängen würde. Ein Irrtum, denn die erobernde Kraft des Sozialismus würde genau so bankrott werden wie die des Liberalismus; überdies hat ja schon die gegen­wärtige österreichische Regierung die stärksten wirtschaftlichen und sozialen Reiz-