Schweizerische Fernsichten
237
und Industriestaaten, die innerlich ausgeglichen die Produkte des Nordens und des Südens in sich vereinigen, enorme Strecken kultivierbaren Landes und aufnahmefähiger Absatzgebiete einschließen, sind im Werden begriffen. Rußland hat in Asien seine weitgesteckten Ziele erst mit der Abhängigkeit dieses Erdteils erreicht und den gewaltigen Ausbau seines Reichs vollendet, wenn es auch in den umliegenden Meeren herrscht. Gestützt auf eine kaum crschütter- bare kontinentale Basis uud sich bewußt seiner sich von Tag zu Tage durch den innern und ünßern Ausbau des Reiches festigenden, jetzt schon übermächtigen Weltmachtstelluug verfolgt es, nur für sich arbeitend, eine rein egoistische Sonderpolitik, deren äußere Erfolge sich recht drastisch in dem Eisenbahn- kouzessionsbcstätigungsrecht in Pcrsien und dem Erwerb der Mandschurei in China gezeigt haben.
Eine schwere Gefahr liegt für die übrigen Völker in diesem Länder- und und somit Absatzgebiete verzehrenden Vormarsch, durch den ein Riesenkontinental- staat geschaffen wird, dessen Wcltstellung eine starke Bedrohung des Weltgleichgewichts wird. U. Sch.
schweizerische Fernsichten
m 15. Januar beging der schweizerische Gesandte in Berlin, Oberst Roth, das seltne Fest des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums seiner erfolgreichen und verdienstvollen Thätigkeit in dieser verantwortungsvollen Stellung. Oftmals hat er von seinem diplomatischen Geschick nnd Takt Zeugnis abgelegt, und sein Ehrentag ist deshalb in den weitesten Kreisen unter sympathischen Kundgebungen gefeiert worden.
Der unvoreingenommne Beobachter muß unbedingt anerkennen, daß die verantwortliche Leitung der auswärtigen Politik der Schweiz in den Händen von Männern liegt, deren Horizont durchaus nicht durch die engen Grenzen vder durch die hochragenden Berge ihres Heimatlandes eingeschränkt oder eingezwängt wird, deren sichrer Blick vielmehr darüber hin in die Ferne und in die Zukuuft schweift. In die weitere Öffentlichkeit dringt die stille Thätigkeit dieser Männer aber verhältnismäßig nur wenig; die schweizerische Politik wird darum — sehr zu ihrem Nachteil — vielfach lediglich nach den Zeitungs- Pvlitikern beurteilt, und leider wird deren Fernblick oft schon durch relativ recht unbedeutende Höhen begrenzt — gegenwärtig durch den Tttllinger Berg auf badischem Gebiet bei Basel, ans dem deutscherseits zur Sicherung der Hüninger Brücken angeblich die Anlage eines Forts geplant ist.
Es würde zu weit führen, wollte man auf den Zeitungskrieg näher eingehn, der um diese — noch durch nichts verbürgte — Nachricht schon geführt worden ist. Neuerdings wurde aber ein aus Basel datierter längerer Artikel