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Kursächsische Streifzüge : 3. Sitzenroda. Schilda und das Schildbürgerbuch
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Doktor Duttmüller und sein Freund

herrschte die tiefste Einsamkeit, mir die Wildenten schwatzten im Röhricht, und die Karpfen schnalzten aus der glatten Fläche, in der sich ein majestätischer Hochwald spiegelte. Da war mirS, als ballten sich die wallenden Nebel zu Schildbnrgergestalten; ich sah, wie sie die Nathausglocke in den Kahn trugen, sie im See zu versenken, und wie der Schultheiß einen Kerbschnitt ins Schiff­holz machte, die Stelle zu merken. Dabei schaute ihm aus deu von Sitzen- roda herübertreibendcn Nebelschleiern das weinrote Gesicht Hans Friedrichs von Schönberg zu und nickte mit boshaftem Schmunzeln. Doch plötzlich änderte sich die Szene: die Schildbürger verwandelten sich in stramme preußische Land- wehrlcute, der Schultheiß in den Feldwebel und mit gefälltem Bajonett stürmten sie auf den Sitzcnrodaer los. Dn faßte mich das Grausen: eilig bestieg ich mein Stahlroß und jagte von dannen; aber ein böser Meilenstein, der au der Wegbiegung stand, büßte mich um Laterne und Bremse.

Doktor Duttmüller und sein Freund

Line Geschichte aus der Gegenwart von Fritz Anders (Nax Allihn) Zweites Aapitel wie Holziveiszig in die Breduljc kam

vm Kirschberge hinter Hvlzwcißig hat man eine in der ganzen Gegend hochbernhmte Aussicht. Wenigstens pflegte der Schulze Lüttge, wenn er da oben saß, sein Glas Bier vor sich und sein Bereich unter sich, zn sagen: Kinder, Kinder, thut mir den einzigen Gefallen! giebts denn was schönres in der Welt? der Wald und die Feldflur und überhaupt die Rübemicler, und was da drüben der Göddeckenberg ist, wo man einen Kartoffelb'odeu hat wie ausgesucht? Wer nun auch nicht Landwirt war, der konnte sich doch einer schönen Aussicht in die grüne lachende Gegend freuen. Zunächst auf Holzweißig, das sich an deu Fuß des Kirschberges anlehnte, der wiederum ein Abhang des Böhnhnrdt, eines waldigen Bergrückens war. Holzweißig war ein hübsches Dorf- wie aus einer Schachtel hingebaut. Zu höchst und dem Kirschberge am nächsten stand die Kirche mit ihrem spitzen Turme und der goldnen Wetterfahne. Dann kam, ganz grün bewachsen uud zwischen alten Nußbänmen liegend, das Pfarrhaus. Daneben stand frisch augestrichen, nüchtern uud zwcckbewußt die Schule. Darüber hinaus sah mau die gerade Dorf- straße hinunter. Man sah das Spritzenhaus, den Laufbrunnen mit der Tränke, Happichs Gasthans zum Brauuen Bären und rechts und links stattliche Bauernhöfe mit großen Scheunen uud klemm Wohnhäuseru. Ganz uuten im Dorfe lagen die Schmiede, die Mühle und der Mühltcich, und seitlich davon, umgeben von statt­lichen alten Kastanien, der Fronhvf. Hier war es umgekehrt wie bei den Bauern, hier waren die Scheune und der Hof klein, und das Wohnhaus groß. Es war ein geräumiges Fnchwerkgebäude aus dein siebzehnten Jahrhnndert mit altem Schnitzwerk an den Balken, einem lnppelbedecktcn Turm vor der Mitte und eiuem zwei Stock­werke hohen Schicferdache. Rings um das Dorf zog sich eine Trift, ein mit Pflauinenbnninen eingefaßter Graswcg. Darüber hinaus sah man die Aue des