Nationalitätskämpfe
^. Grundbegriffe
o immer zwei Nationen aneinander grenzen, da findet auch in Zeiten des Friedens ein beständiger Kampf statt. Unaufhörlich dringen Bestandteile der einen Nation in größerer oder geringerer Menge in den Bereich der andern hinüber. Nehmen sie dort im Laufe der Zeit die Nationalität des sie umgebenden Volkes a», so erleidet zwar die Nation, der sie ursprünglich angehörten, durch ihren Abgang und die dadurch verursachte Stärkung der benachbarten Nation eine Einbuße; die bisherige Sprachgrenze aber bleibt von Bestand. Behaupten sich dagegen die vorgedruttgnen Bestandteile dauernd in der fremden Umgebung, so wird die dort herrschende Nation notwendigerweise eingeengt durch Entstehung von Sprachinseln, die eine Veränderung der Sprachgrenze zur Folge haben können.
Unser deutsches Sprachgebiet hat durch solche NatioualitätSkämpfe im Laufe der Jahrhunderte manche größern und manche kleinern Veründningen erfahren; weitere Vcräudrungeu, die es in der Zukunft erleiden wird, werfen schon ihre Schatten voraus.
Bevor ich aber auf diese Vorgänge einer zum Teil weit hinter uns liegenden Vergangenheit nnd ferner auf das, was Nur von der Zukunft für die Verbreitung unsrer Nationalität in Europa zu erwarten haben, näher eingehe, wird es nötig sein, für einige immer wiederkehrende Grundbegriffe Klarheit zu schaffeu.
Über den Begriff „Nationalität" sollte es nicht nötig sein, ein Wort zu verlieren. Da jedoch nicht nur iu unsrer Tagespresse, sondern sogar in Schriften schweizerischer Universitätsprofessoren dieser Begriff mit dem der Staatsangehörigkeit verwechselt und so von einer österreichischen, schweizerischen,
luxeinburgischeu „Nationalität" geredet wird, so dürften doch einige kurze Bemerkungen am Platze sein. „Nation" wird häufig als Synonym von „Voll" behandelt, ohne daß sich beide Worte genau decken. Man kann sehr, Wohl von einein preußischen, österreichischen, schweizerischen, luxemburgischen Vvlk sprechen, aber der Begriff Nation läßt sich mit keinem der aufgezählten
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