400 Der Religionsunterricht an höhern Schulen
alle übrigen Unterrichtsfächer ethische Ziele verfolge, kann sich Metz nicht anschließen. Der Religionsnnterricht partizipiert an der sittlichen Wirkung, die jede ernste Geistesarbeit ausübt, steht aber in dieser Beziehung keinem andern Fache voraus, wie auch der Religionslehrer selbst keine höhere Weihe der Persönlichkeit beansprucht. Die Forderung irgend einer Souderstellnng des Religionsunterrichts bietet nur denen eine Handhabe, die ans Abschaffung des Religionsunterrichts drängen. Denn die höhere Schule ist ein Organismus, der wie jeder Organismus nur Gleichartiges in sich duldet. Der Religionsunterricht steht thatsächlich uicht über andern Fächern, sondern vorläufig noch tief unter der allgemeinen Höhenlinie. Es muß das Bestreben der Religions- lehrcr sein, ihn erst einmal bis zu dieser Linie zn erheben. Dazu fehlt es aber schon an der allerersten Grundlage, nämlich an der methodischen Organisation, auf Grund deren jeder, der dieses Feld der Thätigkeit betritt, Ziel und Weg mit gleicher Klarheit vor sich sähe, wie etwa der Lehrer der Mathematik oder der Geschichte. Metz weist nun im folgenden nach, daß eine solche Organisation von dem Standpunkt aus, daß der Religionsunterricht auf das Gefühl wirken solle, unmöglich sei. Erkennt man dagegen, daß der Religionsunterricht es mit der Vorstellungskraft des Schülers zu thun hat, so hat man darin den fruchtbaren Ausgangspunkt zu einer allgemeinen methodischen Organisation des Unterrichts gewonnen.
Im zweiten Teile der Abhandlung stellt Metz zunächst fest, daß die Aufgabe des Gymnasiums die Erziehung des modernen Kulturmenschen sei. Dazu soll auch der Religionsunterricht dienen. In dem großen weltgeschichtlichen Kampfe handelt es sich darnm, von einer religiös gestützten, aus Material der Phantasie aufgebauten Weltanschauung zu einer aus Bausteinen eines fort- geschrittnen Wissens errichteten Weltanschauung zu gelaugen, ohne daß die Forderung des Gemüts, die Würde der sittlichen Persönlichkeit, Schaden leide. In diesem Kampfe stellt in der That die Religion gewissermaßen das Thema, über das vom Wissen verhandelt wird. Der Knlturgcmg bliebe also unverständlich ohne das religiöse Thema, nnd dessen Kenntnis zn vermitteln ist auf der Schule die Aufgabe des Religionsunterrichts. Er hat die religiöse, wie die übrigeu Fächer die wissenschaftliche Weltanschauung zum. Gegenstande. Am Schluß sucht der Verfasser nachzuweisen, daß der protestantische Religionsunterricht seiuen Stoff nicht in dogmatischer Form, auf die der katholische Religionslehrer allerdings angewiesen sei, sondern in geschichtlicher Form rein objektiv den Thatsachen entsprechend vorzutragen habe.
Auch wer den Standpunkt des Verfassers nicht zu teilen vermag, wird doch ihm wie auch seinen Mitarbeitern für manche gebotne Anregung dankbar sein. Gewiß würde der Religionsunterricht bei ausschließlicher Betouung des Gefühls seinen Zweck nicht erreichen, nnd eine Organisation des Unterrichts wäre von diesen, Standpunkt aus undenkbar, ist freilich meines Wissens auch niemals versucht worden. Daß besonders bei rhetorisch begabten Religions- lehreru die Gefahr vvrhaudeu ist, mehr zu überreden als zu überzeugen, sich