298
Die lvohnungS' und Bodenpolitik in Großberlin
abgesehen von den wenigen reichen Villenbezirken, von denen die Arbeiter und der Mittelstand gar nichts hatten, bis in die achtziger Jahre hinein recht trostlos und mit denen in der Umgebung westdeutscher Großstädte gar nicht zu vergleichen. Soweit die Berliner Arbeiterschaft in ihnen Unterkunft suchen mußte, war sie iu fast allen Beziehungen viel schlechter daran als in den mit großstädtischen Miethäusern bebauten Straßen. Mit einem Wort: die Wohnverhältnisse in den Vororten haben sich seit Anfang der achtziger Jahre nicht verschlechtert, sondern ganz bedeutend gebessert. Ob und wie viel dazu die Vorortsbauvrdnung von 1887 beigetragen hat, mag ungewiß sein, aber gewiß ist, daß sie den epochemachenden Umschlag zum Bösen nicht gebracht hat, den Voigt ihr mit dem Satze zuschreibt: „Eine einzige unglückliche Verwaltungsmaßregel lenkte aber die ganze Entwicklung mit einem Schlage in andre Bahnen."
Die Entwicklung ist wesentlich die Folge der Bevölkeruugszunahme, wie ein Blick in nachstehende Zahlenübersichten verständlich machen wird.
Es wurden zu Anfang Dezember der betreffenden Jahre ortsanwesende Personen gezählt
in 1871 1885 18W 18VS 1900
Stadt Berlin . . . 826341 1815287 1578794 1677 304 1888326 Vororte zusammen . S7735 163740 268715 435236 639978 Rechtes Spreeufer . 17476 57204 88728 119255 167644 Linkes Spreeufer . . 40250 100536 179987 315981 472334
Es hat sich also in einem Menschenalter (1871 bis 1900) die Bevölkerung von Berlin ohne Vororte um 129 Prozent, die der Vororte um 1008 Prozent vermehrt, und zwar die der Vororte des rechten Spreeufers um 859, des linken um 1073 Prozent.
In den Zählperioden seit 1867 — von denen die beiden ersten vierjährig, alle übrigen fünfjährig waren — stellte sich in der Stadt Berlin (ohne Vororte) die Bevölkerungsbewegung wie folgt:
Zähljahr
Personen
Zusammen
absolut
Prozent
1867
702437
1871
826341
123904
17,64
1875
969050
142709
17,39
1880
1122330
153280
15.80
1885
1315287
192957
17,19
1890
1578794
263507
20,03
1895
1677 304
98510
6,24
1900
1888326
211022
12,58
Die verhältnismäßig stärkste Zunahme zeigten die beiden vierjährigen Perioden 1867/71 und 1871/75. Ihr entsprach die Wohnungsnot im Anfang der siebziger Jahre, deren Grad bis heute nicht annähernd wieder erreicht ist. Fast ebenso stark war die Zunahme in dem Jahrfünft 1885/1900, in die die