212 Die Neukolonisation Südamerikas
werden, daß an Gewalt auf fremdem Boden nicht gedacht wird, aber ebenso gewiß können die Holländer sein, daß von deutscher Seite alles gethan werden wird, um in aller Form Rechtens einem Übelstande abzuhelfen, der in so hohem Maße eine wirtschaftliche Schädigung Deutschlands ist.
(Schluß folgt)
Die Neukolonisation Südamerikas
von Lrnst Rapff in Witzenhansen (Schluß)
!nsrc Antwort lautet: die Länder östlich vom Paranä — ohne mit dieser geographischen Grenze mehr als eine Richtlinie geben zu wollen — »nd Kolnmbien. Betrachten wir zunächst das erste Gebiet. Bekanntlich liegen die größten verhältnismäßig geschlossenen deutschen Siedlungsgebiete iu Sudamerika in Rio Grande do Snl und Santa Cathariua, denen man einige Territorien des Staates Parauä noch zurechueu darf. Was iu diesen drei Staaten an Kulturarbeit geleistet worden ist, das ist hauptsächlich deutscher Hände Werk. Soll aber zugleich dem Mntterlande nud den dorthin gezognen Söhnen und Töchtern wie deren ncncm Adoptivvaterland überhaupt ein den natürlichen Reichtümern des Landes entsprechender Gewinn aus dem ganzen Kvlonisntionswcrk erwachsen, so muß die Hebnng dieser Länder »nd die Sanierung aller dortigen Verhältnisse in ganz anderm Maßstab als bisher betrieben werden.
Zu diesem Zweck fordert ein mit den brasilischen Verhältnissen vertrauter Diplomat, der frühere kaiserliche Gesandte in Rio Janeiro, Dr. Kranel, in seiner Schrift „Deutsche Juteresseu in Brasilien" (Hamburg, 1900) die Förderung der Unternehmungen der Hanseatischen Kolonisationsgcsellschaft iu Scmta Cathariua uud der Rio Graude-Nordwestbnhu- uud Siedlungsgesellschaft in Rio Grande dv Snl. Znr Anbahnung eines bessern Verhältnisses mit Brasilien überhaupt bezeichnet er den Abschlnß eines Handels- und Schiffahrtsvertrags als wünschenswert, hält aber das Znstandekommen eines solchen in der nächsten Zeit für unwahrscheinlich. Ebenso ungünstig sind nach seiner Meinung die Anssichtcn für den Abschlnß einer Konsularkonvention. Indem wir ans das so verdienstliche Hansanuternehmen als eine Sache von mehr lokaler Bedcntnng hier nicht näher eingchn, halten wir dafür, daß das Hanptgcwicht ans Rio Grande gelegt werden muß, da hier größere Verhältnisse vorliegen als in Santa Catharina, ferner die geographischen Beziehungen zn den Nachbarländern günstiger sind und demgemäß in Zukunft hier am meisten erreicht werden kann.