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achdem sich Helene Voigt-Diederlichs zuerst vor vier Jahren durch ihre schleswig-holsteinischen Bauerngeschichten bekannt gemacht hat, giebt sie uns heute einen Band Lhrit in wnnder- hilbscher Ausstattung mit Buchschmuck vvu Cissarz (Leipzig, Diederichs), dessen einzelne Seiten uus bald rauteuartigc Einfassungen zeigeil, bald kleine Bilder oben oder unten, manchmal beides oder auch nichts, je nachdem es dem Sinn der Verse angemessen schien. Die Ornamente sind orange, die Bilder graugrün gedruckt, der kuustsiunige Verleger wollte hier znm erstenmale einem Buche „durch zusammenstimmende, ge- brochue Farbentöne eine ihm eigne Seele geben," uud daher haben sich unsre Augen auch hellgrüue Buchstaben gefallen lassen müssen. Zwischen den Worten des Titels „Unterstrom Gedichte" sehen wir ein ornamentiertes Zeichen, das entweder einen Pnukt oder einen Bindestrich bedeuten könnte. In jenem Falle hätten wir außer den Gedichten noch einen „Unterstrom" zn erwarten, etwas größeres etwa als Hnuptstück der Sammlung, Da aber das Inhaltsverzeichnis nur die Gedichte berücksichtigt, so haben wir uns nnter dem Ganzen „Unterstromgedichte" vorznstellen. vielleicht weil sie tief gehn wie eiu Unterstromboot, wofür andre etwa Einsame Gedichte, Stille Lieder oder so etwas gesagt haben würden. Oder ist es doch vielleicht anders gemeint, nnd hat das Gedicht „Unterstrom" Seite litt ursprünglich an erster Stelle stehn sollen? Dort sucht die Dichtern, den Geliebte», landeinwärts, obwohl sie weiß, daß er nicht da ist, und da sieht sie auf einem Wasser ein Zweiglein der Schlense zutreibe» mit wunderlich verborgner Strömung Kraft lind muß sich nun als des Zweig- ieins Schwester fühlen und hinunterstarreu in die Nätselslnt, Auf dem beigegebnen Bilde aber finden wir statt des Zweiges einen Mann mit einem Kahn, den eine Nixe in der Tiefe cm einem Faden vorwärts zieht, sodaß die ganze Sache für uns noch rätselhafter wird. Wie dein nun auch sein mag, jene frühern Erzählungen waren stark realistisch, munter, lebendig, eiu wenig derb,, der Dialog war zum Teil plattdeutsch, diese Gedichte hingegen sind ganz auf Reflexion gestimmt, durchweg tief schwermütig, einige bis zur Verzweifluug unglücklich, kaum eins von Herzen heiter. Da doch hinter jeder dichterischen Äußerung die Fiktion einer Wirklichkeit steht, so fragt man: Konnte denn eiu einziges Menschenkind soviel trauriges erleben? Und sollte es wirklich geduldige, teilnehmende Zuhörer finden, Leute, denen das Mitseufzen eine Frende ist, wie ja bekanntlich das Lachen anstecken soll? Nichts ist doch auf die Dauer so einförmig und ungesellig wie fremde Trübsal. Zu dein müden Leid