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Friedrich List. 3
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Geschmack an der Landwirtschaft zu sehr verloren haben, vom Westen und von den Städten zu kräftig angezogen werden. Vor fünfzig, vor vierzig, noch vor dreißig Jahren herrschte der Zug nach Osten vor. Damals hatten die Leute noch Freude an der Landwirtschaft, zogen aus Mitteldeutschland nach Schlesien, aus Schlesien nach Posen, Nussisch-Poleu, Galizien, um dort deutsche Muster­wirtschaften zu begründen. Damals hätte die Politik die wirtschaftliche Ent­wicklung in die oben augedeutete Bahn lenken können. Sie hatte zunächst andre Aufgaben zu lösen, und jetzt mag es zu spät sein. Was nun werden soll, das ist schwer zu sagen. Hoffen wir, daß nns die Vorsehung einen zweiten ökonomischen Bismarck schicke, einen zweiten List, einen großen Praktikus, der mit genialem Scharfblick erkennt, was not thut, und unser Volk iu die richtige Bahn hineinstößt. Über das Ziel besteht ja wohl kein Zweifel: ein Zustand, der die Anwendung der vollkommensten Technik uud die Entfaltung der höchsten Knltur ermöglicht, ohne den Wurzelboden der Volkskraft und Volksgesundheit, das Bauernleben, zu zerstören. Denn um dieses handelt es sich, nicht um die Landwirtschaft. Möchten der Plnntagenbau mit Wanderarbeitern auf Lati­fundien und der von verstädterten Gärtnern betriebne Gemüsebau uoch so glänzend rentieren, iu sozialer und politischer Beziehung würde das für den zu Grunde gegcmgnen Bauernstand nicht entschädigen. L. I-

Wenn man verliebt ist

von Timm Uröger

! enn man verliebt ist. Hans Stieper war es und war als Schneider- ! gesell kaum vier Wochen bei Meister Eggert in Arbeit, und acht Tage schon war er verlobt.

Sie war des Kätners Harder Rickers Tochter und hieß Katrien oder Tine nnd wohnte gleich an Meister Eggerts Garten unter einem ! niedrigen Dach, die Thür hinter stark verholzten Johaimisbeerbüschen. Als dreizehnjähriger Junge hatte er sie gesehen (sie war damals ein sehr kleines nnd sehr lustiges Mädchen gewesen), als eben freigesprochner junger Geselle hatte er sie wiedergetrvffen uud die Bekanntschaft erneuert. Frau Meister hatte einen Topf mit Honig zu Harders hiuüberschicken Wolleu, und er hatte den Topf hinüber­getragen. Den Topf und sein Herz hatte er in der Rauchkate zurückgelassen, aber Tines Liebe hatte er mitgenommen. Vor dem nltsachsischeu Schwibbogenherd und vor der dampfenden Waschbütte (Tiue war gerade beim Telleraufwaschen gewesen) war es zur Aussprache nud dem, was dann zu folgen pflegt, gekommen, und Harder hatte gern eingewilligt. Als Verlobter Bräutigam war er an ihrer Seite durch die Johanuisbeerbnsche nach seines Meisters Hause zurückgekehrt, seine Braut vor­zustellen.

Heft ver Moru ok all eu Brüdigmn sehn? hatte er seine» Mitgesellen gefragt.

Er hatte auf ein verwundertes Gesicht und auf ein rnndes Nein gehofft, und dann hatte er sich aufrichten und auf die lachende Tine zeigen uud sagen wollen:

Denn sügst nn een, uu een hübsche Brud dorto!